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Die gelben Giganten vom Kap

Dieser Artikel ist zuerst in der traction erschienen.

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Matthias Mumme, traction
am
04.03.2016

Wir haben den südafrikanischen Traktorenbauer ACO besucht. Hier erfahren Sie alles über die Boliden, die Exportbemühungen des Herstellers und, wie es 1997 zum Bankrott kam. Doch es gibt wieder Hoffnung für die Marke.

In der Ausgabe 01/2016 der traction berichteten wir über die Anfänge des Unternehmens und zahlreiche technische Details wie die Motoren und Getriebe. Im zweiten Teil der Reportage geht es nun um die großen Bautypen mit 385 bis 612 kW, den Bankrott 1997 und die Hoffnung, dass eines Tages wieder ACO-Traktoren gebaut werden.

Bis Mitte der 90er-Jahre investierte ACO rund 3 Mio. Rand (damals circa 850.000 US-Dollar) in die Entwicklung und Erprobung neuer und vor allem leistungsstärkerer Modelle. Als Testflächen standen neben der eigenen Farm auch das Lesotho Highland Project zur Verfügung, ein Mitte der 80er-Jahre gestartetes gewaltiges Talsperrenbauprojekt in Südafrika.

ACO erweiterte sein Produktsortiment langsam, aber kontinuierlich. Die Farmer fragten vermehrt noch stärkere Traktoren nach. Der zu Beginn der 90er-Jahre gebaute ACO 400 mit V12 von Deutz (BF12L513C mit 19,1 l Hubraum, Turbo und Ladeluftkühlung) war zunächst nur ein technisches „Alibi“ für die südafrikanische Selbstfahrhaubitze G6. Durch die Agrarspezifizierung konnte der Hersteller die der Apartheid geschuldeten Einfuhrsanktionen umgehen.

Von Exportplänen bis zum Konkurs

Die Eigentümer von ACO, Familie Coetzer, erkannten schnell, dass ihre Traktoren auch in anderen Märkten gut ankommen würden. Neben anderen afrikanischen Ländern, wie Simbabwe, fasste man von Hoopstad aus Australien ins Auge. Um 1994 versuchte ACO, in Nordamerika Fuß zu fassen. Kurz zuvor, in den Jahren 1993/1994 vollbrachte Alf Coetzer sein Meisterstück. Er wollte austesten, wie viel Motorleistung sich realistisch und vor allen Dingen effizient auf den Boden übertragen lässt. Resultat war der im Mai 1994 fertiggestellte und auf der Nampo 1994 gezeigte ACO 600 mit einem 612 kW starken ADE-V12-Motor.

Mitte der 90er-Jahre zogen dunkle Wolken auf. Die Suidwestelike Transvaalse Landboukoöperasie (SWTLK) als südafrikanischer ACO-Vertrieb orderte bereits seit Jahren Traktoren gegen Vorauszahlung in Hoopstad. Doch dann überschlugen sich die Ereignisse. Wegen offener Rechnungen stellten einige Komponentenhersteller wie Rába ihre Lieferungen ein, woraufhin ACO die von der SWTLK bestellten Traktoren nicht liefern konnte. Die SWTLK stellte die Zahlungen an ACO daraufhin ein, und die Banken drehten den Geldhahn zu. 1997 musste ACO mit 27 Mio. Rand Schulden (damals rund 6 Mio. US-Dollar) schließlich Konkurs anmelden. Rona Coetzer erinnert sich: "Wir hätten bei ACO mehr auf die Kosten achten müssen, aber es gab kein professionelles Controlling, das rechtzeitig Grenzen und Risiken aufgezeigt hätte. Das war ein Fehler."

2012 kaufte der Ingenieur und Geschäftsmann Nic Venter Rechte und Unterlagen von ACO auf, um unter der Marke ACO Continental neue Traktoren auf Basis der alten Zeichnungen zu entwickeln. Mit Cummins-Motoren, Twin Disc-Getriebe und Kessler-Achsen sollten die neuen Schlepper als Prototypen auf der Nampo 2014 gezeigt werden. Jedoch erfordert das Projekt weit mehr Zeit, als Venter anfangs dachte – und so wurde bis heute noch kein Prototyp fertiggestellt. Aktuell arbeitet er immer noch an den 3-D-Konstruktionszeichnungen der neuen Traktoren. Es gibt also noch Hoffnung.

Den vollständigen Bericht über die ACO-Traktoren lesen Sie in der traction-Ausgabe März/April 2016.

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