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Ausland

Kernige Steiermark

Externer Autor
am
12.12.2014

In der österreichischen Steiermark bauen Landwirte seit Jahrzehnten in großem Stil das „grüne Gold“ an: Kürbisse. Das nach der Ernte mit selbst entworfenen Maschinen gewonnene Öl wird mittlerweile immer stärker auch in Ländern wie Deutschland, Frankreich und der Schweiz nachgefragt.

{BILD:624506:jpg}Kürbisse schwaden? Kaum zu glauben, aber genau das praktizieren die Steirer, um an das Kernöl heranzukommen, das die Küchenkultur einer ganzen Region prägt. So auch Landwirt Alois Thier im Örtchen Oberlamm. Vor seinem Traktor hat der Österreicher eine schneepflugartige Vorrichtung montiert, mit der er die reifen Kürbisse im sonnigen September in Reihen zusammenschiebt.

Geerntet werden die gelben, fußballgroßen Früchte von einem Vollernter oder von einer gezogenen Erntemaschine. In beiden Fällen piekst eine igelartige Stachelwalze die Kürbisse auf. Eine Zerreißtrommel zermatscht sie. Dann werden die Kerne in einer Siebtrommel vom Fruchtfleisch getrennt werden, unterstützt von Bürsten und pneumatischer Absaugung. Eine Schnecke befördert die glitschigen Kerne schließlich in den Tank, das Fruchtfleisch landet auf dem Acker. Vollernter für die Kürbisernte sind selten. Es gibt nur sechs Exemplare, die vom Lohnunternehmer Karl Wilfing aus Großsteinbach in mühevoller Pionierarbeit aus einem Mähdrescher umgebaut wurden. So kann er richtig schnell ernten.

Anspruchsvolle Frucht

Auch heute ist Eile geboten. Im süd- und südwestlichen Teil der Steiermark werden die Ölkürbisse auf 9.800 ha gelb. „Um den richtigen Erntezeitpunkt zu treffen, braucht man ein gutes, erfahrenes Händchen. Wenn man zu früh erntet, gibt es ein Problem mit der Ölqualität. Ist man zu spät dran, besteht die Gefahr, dass die Frucht schnell fault“, sagt Reinhold Pucher vom Arbeitskreis Ackerbau der Landwirtschaftskammer Steiermark. „Außerdem gibt es keine Frucht, die so witterungsabhängig ist wie der Kürbis.“ Der Kürbis mag keine Kälte im Frühjahr, keine Trockenheit im Sommer und keinen Regen während der Ernte.
 
Nach dem „Dreschen“ muss der Kürbiskern innerhalb von wenigen Stunden von maximal 60 Prozent Wassergehalt auf sechs bis acht Prozent Feuchtigkeit heruntergetrocknet werden. „Daran, wie der Kürbiskern knickt, weiß ich, welchen Feuchtigkeitsgrad er hat“, sagt Karl Höfler, Mühlenbetreiber in Kaindorf, der das sensible Handwerk beherrscht. „Wenn sich der Kern bei der Brechprobe zu sehr dehnt, statt zu brechen, dann ist er zu feucht“, erklärt er vor einer auf 130 °C erwärmten Wanne stehend. Darin werden fein gemahlene Kürbiskerne mit Wasser und Salz zu einem grünen Brei geknetet und sanft geröstet. Danach kommt der Brei in die Presse, aus der das dominant schmeckende Öl fließt. Die Farbe ist unterschiedlich: Das Kernöl hat zwar einen dunkel-rötlichen Ton, wirkt jedoch hellgrün, wenn es dünn drapiert wird. von Dierk Jensen
 
Die vollständige Reportage über die Kürbisernte und die Herstellung von Kürbisöl in der Steiermark lesen Sie in der Ausgabe Januar/Februar 2015 der traction.
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