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Ausland

Die letzten Afrikaner

Externer Autor
am
01.07.2015

Agrico ist der letzte Traktorenhersteller Afrikas. Hier wird bis heute die bis zu 570 PS starke Traktorbaureihe 4+ gebaut. Doch die Nachfrage blieb stets unter den Erwartungen.

Trockene, harte Böden und ordentlich Hitze - mit den Bedingungen in Afrika können die Produkte viele Landmaschinenhersteller nicht mithalten. Doch auch lokale Hersteller sind auf dem schwarzen Kontinent selten, denn die politische Lage erschwert oft auch unternehmerischen Erfolg.

Eines der wenigen Unternehmen, das Landmaschinen speziell für die afrikanischen Bedingungen entwickelt und gebaut hat, ist Agrico in Lichtenburg, ein Familienunternehmen. Manager und Gesellschafter Theo Andrag blickt auf mehrere Generationen zurück, die das Unternehmen seit dem späten 19. Jahrhundert aufgebaut haben: Vom Landmaschinen-Handel, über den Import für John Deere und Lanz, bis zur ersten Fabrik, die 1963 in Lichtenburg gebaut wurde.

Rund 600 Traktoren im Markt

1978 begann Theo Andrag, sich Gedanken über die Entwicklung eigener Knicklenkertraktoren zu machen, nachdem Agrico zunächst Schlepper von Lanz, Deutz und Steiger importierte. Die Schlepper sollten für Landwirtschaft, Baustellen, Forstwirtschaft und in der Industrie geeignet sein. Nach und nach fügten sich die Bausteine zusammen: Motoren von Atlantis Diesel Engines mit 100 bis 160 kW, Powershift-Triebsätze von ZF mit Drehmomentwandler, Hecklader, Frontkraftheber, Aufbautanks. Im März 1986 stellte Agrico die ersten drei Modelle der Baureihe 4+ vor.
 
Obwohl die Nachfrage nach stärkeren Traktoren zunahm, fanden die 4+ nicht erhoffte Resonanz. Zunächst rechnete Agrico noch mit etwa 300 verkauften Einheiten pro Jahr. In den besten Zeiten verließen jährlich jedoch nur 40 bis 50 Schlepper das Lichtenburger Werk. Bis 1993 kamen gut 200 Agrico 4+-Traktoren in den Markt und bis heute wurden nicht mehr als knapp 600 Exemplare fertiggestellt – von denen jedoch viele noch im Einsatz sind. mu

Die vollständige Entwicklungsgeschichte der 4+-Traktoren und von Agrico lesen Sie in der traction-Ausgabe Juli/August 2015, die Sie hier bestellen können.
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