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Hobby

Die Lust am Powershift

Ford 8830 breit
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Matthias Mumme, traction
am
07.01.2017

Timo Süselbeck kam eher durch Zufall zu seinem Ford 8830 Powershift. Der im belgischen Antwerpen gebaute Ami ist ein absoluter Exot unter den Youngtimern, hat aber so seine Vorzüge.

Zwei Blaumänner

Ford 8830 Person

Bis vor kurzem fuhr Timo Süselbeck eigentlich noch auf eine andere Marke ab: IHC. Seinen rot-weißen 1246 wollte er eigentlich restaurieren, fand aber nach der Arbeit doch nicht die nötige Zeit dafür. Dann durchstöberte er eines Abends halbernst die Kleinanzeige für gebrauchte Landmaschinen, und stieß dabei auf einen Ford 8830 Powershift in 60 km Entfernung. Die blauen Großtraktoren mit der langen Haube haben ihn schon immer fasziniert, doch ernsthaft daran gedacht selbst mal so ein Zugtier zu besitzen hat er nicht. Doch: "Spätestens beim Anlassen war es dann um mich geschehen – obwohl der Ford mit 6,6 l ja für damalige Verhältnisse eher wenig Hubraum besaß."

Draufsetzen und los!

Ford 8830 Seite

Nach Verkauf seines IHC 1246, der einen begehrten 1455er-Motor unter der Haube hatte, konnte er sich den Ford leisten. Reparaturen waren nicht nötig, er musste nur TÜV machen und konnte loslegen.  Knapp 8.000 Betriebsstunden hat der Zähler aktuell drauf, und so findet man von vorn bis hinten natürlich einiges an Patina. Timo Süselbeck will den Schlepper jedoch weitestgehend so belassen, und nicht restaurieren. Lediglich ein paar breitere Räder möchte er seinem Lastschalter irgendwann einmal spendieren. Weiterhin versucht er, eine K80-Kugel im Heck anzubringen. Denn der 8830 soll nicht nur Hobby sein, sondern auch hier und da auf Familienbetrieben der Region aushelfen und damit den ein oder anderen Euro für seine Instandhaltung verdienen. Süselbeck arbeitet zwar selbst auf einem 300 ha großen Betrieb – dort passt sein Ford aber nicht so wirklich in die Mechanisierungsketten hinein. "Wenn sich die Betriebskosten mit den Einnahmen decken, ist das völlig okay. Es bleibt ja trotzdem ein Hobby!"

Die Ford-Baureihe 30/8030 basierte auf den TW-I und TW-II-Baureihen, die unter anderem auch im belgischen Antwerpen gefertigt wurden. Das charakteristische Design mit der langen Motorhaube und dem Ford-typischen Kühlergrill blieb in Deutschland jedoch ein seltenes Bild: Die Schlepper waren schlichtweg zu groß, und als es zur Wendezeit um 1989/1990 endlich passende Flächenstrukturen gab, ergatterten Konkurenten wie der Magnum von Case International oder die Serie 55 von John Deere die Großflächen. Sie boten moderne, stärkere und sparsamere Motoren und teils sogar eine EHR. Zwar hatte der Ford 8830 mit dem in Deutschland serienmäßig ausgelieferten Ultra-Command das modernste Powershiftgetriebe am Markt, doch das konnte die Nachteile nicht aufwiegen. Zudem kamen Anfang der 1990er-Jahre neue Konkurrenten mit elektronischem Powershift oder modernster Vierfach-Lastschaltung auf den Markt, wie die John Deere Serie 7000, der Deutz-Fahr AgroStar 6.71/6.81 und der Same Titan sowie die Fendt Baureihe Favorit 800. Diese Schlepper verbrauchten weniger, boten wesentlich komfortablere Kabinen und im Falle der Fendt Favorit 800 sogar eine gefederte Vorderachse und 50 km/h. Damit war das Ende der Ford-Langnasen besiegelt.

Mehr zur Geschichte des Ford 8830 Powershift lesen Sie in traction Ausgabe Januar/Februar 2017.

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