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Hobby

Der Traum des Piloten

Externer Autor
am
03.01.2016

1997 ging der südafrikanische Traktorenbauer ACO mitten in seiner Blütezeit plötzlich bankrott. Wir haben uns auf die Südhalbkugel begeben, um die gelben Giganten im Einsatz zu erleben und ihre Geschichte zu ergründen.

{BILD:649405:jpg} „Im Jahr 1984 saß ein Free-State-Farmer unter einem Eukalyptusbaum und hatte einen Traum: Er wollte das perfekte Kraftwerk für südafrikanische Felder bauen. Jahrelang importierte er Großtraktoren aus Übersee ….“. So beginnt ein Werbevideo des ehemaligen südafrikanischen Traktorenbauers ACO aus dem Jahr 1995. Zu dieser Zeit befand sich das Unternehmen in seiner Blütezeit. Die Nachfrage nach den gelben Knicklenkern erreichte von Jahr zu Jahr neue Rekorde. Nur zwei Jahre später musste ACO Konkurs anmelden. Wie konnte es dazu kommen?
 
Gegründet wurde ACO durch den ehemaligen Testpiloten Alf Coetzer und seinen Sohn Koos. Sie bewirtschafteten eine Farm bei Hoopstad in der damaligen Transvaal-Region, dem heutigen Free State. Die Gegend gehört zum südafrikanischen Maisgürtel. Neben Mais werden Erdnüsse und ein wenig Weizen angebaut - das ideale Revier für große, leistungsstarke Traktoren. Bis Mitte der 80er-Jahre hatten Case, International, John Deere und Steiger jedoch nur Modelle mit maximal 350 bis 450 PS im Sortiment. Zu wenig für die Bodenverhältnisse im Free State, wo sich die Maiserträge durch Tiefenlockern auf 70 bis 90 cm nahezu verdoppeln ließen. Der Leistungsbedarf dafür: 
80 PS pro Lockerungszinken.

V-Motoren und Powershift

Alf Coetzer erkannte, dass man leistungsstärkere und robustere Traktoren für Südafrika benötigt. Nach rund zwei Jahren Entwicklungszeit verließ der erste ACO, Typ 240 mit 243 kW Nennleistung, in den Morgenstunden des 14. Septembers 1985 das Gelände der Coetzer-Familienfarm Oranjekuil. Gerade noch rechtzeitig, um ihn noch am Nachmittag auf einem Bauerntag zu präsentieren. Das Interesse war von Beginn an gewaltig. Alf und Koos gründeten nach den ersten Bestelleingängen noch 1986 das Unternehmen ACO (Alf Coetzer Operations). Der Grundstein war gelegt.
 
243 kW reichten für die südafrikanischen Verhältnisse nicht. 1986 begann ACO mit der Entwicklung eines 270 kW starken Schleppers. Beide verwendeten doppelt aufgeladene ADE 442T-Motoren mit acht Zylindern in V-Anordnung und 14,6 l Hubraum. Als Getriebe verbaute ACO PowerShift-Triebsätze des US-amerikanischen Herstellers TwinDisc, die sich als sehr robust erwiesen. Das war auch nötig, denn die ACO-Traktoren übertrugen ihre volle Motorleistung bereits ab dem ersten Gang. Die Achsen steuerte in den ersten Jahren ZF bei und später der ungarische Hersteller Rába.
 
Trotz einer hohen Fertigungstiefe und der hochwertigen technischen Ausstattung kosteten ACO-Traktoren zum damaligen Umrechnungskurs nur etwa 100.000 US-Dollar. Damit waren sie deutlich preiswerter als ihre nordamerikanischen Konkurrenten – und sogar preiswerter als die südafrikanischen Agrico-Traktoren. "Es war ein großer Fehler, unsere Traktoren so preiswert zu verkaufen", weiß sich Jacques Griessel heute. "Und es war neben anderen ein wichtiger Grund für die spätere Pleite von ACO." mu
 
Mehr über die ACO-Traktoren lesen Sie in der traction-Ausgabe Januar/Februar 2016 und über den Bankrott des Unternehmens in der Ausgabe März/April 2016.
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