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traction-Technik

Bereit für Stufe V

AGCP Power V12
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Matthias Mumme, traction
am
02.03.2017

V-Motoren werden im Landmaschinenbau zunehmend von Reihen-Sechszylindermotoren verdrängt. Zur 2019/2020 anstehenden Abgasstufe V wird die Luft noch dünner. Doch in vielen Bereichen werden die Hersteller weiter auf die kompakten Kraftpakete setzen.

Bislang quasi unreguliert

V-Motoren Überblick

V-Motoren werden vor allem in höheren Leistungsklassen eingesetzt. In großen Feldhäckslern bringen sie den Vorteil mit, dass sie trotz großem Hubraum quer für einen Direktantrieb der Häckseltrommel eingebaut werden können. Auch in Gülle-Selbstfahrern und teils in selbstfahrenden Rübenrodern wird ihre vergleichsweise geringe Baulänge geschätzt, und ihre etwas ausladendere Breite gerne in Kauf genommen. In Traktoren sind V-Motoren heute, anders als beispielsweise in den 1970er- und 1980er-Jahren in einigen Märkten, so gut wie gar nicht mehr anzutreffen. Lediglich Challenger nutzt noch einen V12 in den MT800E- und MT900E-Baureihen, und das eher aus entwicklungs- und produktionstechnischen Gründen.

Doch auch in puncto Leistungscharakteristik und Leistungsdichte schwören einige Hersteller nach wie vor auf V-Motoren, auch wenn gerade im V8-Segment großvolumige Reihen-Sechszylindermotoren als Alternative verfügbar wären. Letztere konnten bei der Leistungscharakteristik dank Reihenturbos und Wastegate-Technologie sowie elektronisch gesteuerter Einspritzung zwar in den letzten Jahren gewaltig aufholen. Ein V-Motor bringt häufig dennoch die bessere Performance, wenn das Arbeitsspektrum überwiegend aus Volllast besteht.

Von den bisherigen Abgasnormen waren Motoren über 560 kW – und damit schwerpunktmäßig V-Motoren – quasi ausgenommen, und erfüllen daher überwiegend erst die Abgasgrenzwerte der Tier 2-Norm. In den USA müssen sie seit Januar 2015 allerdings die Abgasnorm Tier 4 final (Stufe IV) erfüllen, wenn auch mit höheren Grenzwerten als leistungsschwächere Motoren. Zur 2019/2020 anstehenden Stufe V jedoch werden die Abgasgrenzwerte auch in Europa reguliert. Dabei müssen CO- und Stickoxidemissionen massiv gesenkt werden, wobei die Partikelanzahl über 560 kW Leistung jedoch noch nicht begrenzt wird.

Verschiedene Wege

MTU V12

Im Landmaschinenbau sind heute noch AGCO Power, Deutz, FPT, MAN und Mercedes-Benz/MTU mit V-Motoren vertreten. Liebherr kommt 2017 dazu, da Krone die V8-Motoren von MAN im BiG X 700 und BiG X 770 durch V8 von Liebherr ersetzt. Es ist davon auszugehen, dass auch der MAN V8 im BiG X 600 und der V12 im BiG X 850 und BiG X 1100 mittelfristig durch Liebherr-Motoren ersetzt wird. Claas wird, soweit es das Zylindervolumen technisch zulässt, zukünftig wohl stärker auf Reihenmotoren setzen. Im Jaguar 860 und Jaguar 870 wurden die V8-Motoren von Mercedes-Benz zur Abgasnorm Tier 4 final bereits durch Reihenmotoren des gleichen Herstellers ersetzt. Beim V12 wird Claas höchstwahrscheinlich weiterhin auf MAN-Technologie setzen, beim V8 ist noch nicht ganz klar ob MAN diesen zukünftig weiter anbieten wird. Im Jaguar 970 könnte Claas daher mittelfristig auf einen Reihenmotor oder ein anderes Fabrikat für den V8 umschwenken.

Deutz wird seine V-Motoren, die beispielsweise von garant Kotte und Vredo verwendet werden, zur Stufe V mit entsprechender Abgasreinigung (SCR und Partikelfilter) ausrüsten. Auch FPT entwickelt seine aktuell nur Tier 2-konforme Vector20/V20-Baureihe für Tier 4 final und die Stufe V weiter, und wird dabei konsequent wie auch bei den Reihenmotoren ein SCRonly-System verwenden. Bei AGCO Power ist noch nicht offiziell entschieden, wie es ab 2019/2020 weitergehen wird. Allerdings erfüllen die Motoren heute bereits die Tier 4 final-Norm. Auch Mercedes Benz/MTU entwickeln gemeinsam an Stufe V-konformen V-Motoren, die neben innermotorischen Weiterentwicklungen eine SCR-Abgasnachbehandlung und einen Partikelfilter besitzen werden. Liebherr wird über 560 kW zur Stufe V mit einem SCRonly-System auskommen, in darunter liegenden Leistungsbereichen zusätzlich einen Partikelfilter verbauen. Und MAN kommt wie Liebherr und FPT nach eigenen Angaben beim V12 ab 2019/2020 ebenfalls mit einem SCRonly-System aus.

Den ausführlichen Bericht lesen Sie in traction Ausgabe März/April 2017.

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