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Trend

Köder für die Wurzel

traction Tiefendüngung
Matthias Mumme, traction
am
10.07.2017

Immer mehr pfluglos wirtschaftende Betriebe interessieren sich für die Kombination von Grundbodenbearbeitung mit mineralischer Tiefendüngung – wir zeigen, was der Technikmarkt dafür an Lösungen parat hält.

Noch eine Nische

traction Tiefendüngung

Die mineralische Tiefendüngung per Grubber oder Tiefenlockerer ist noch ein recht junges Verfahren und in Deutschland eine absolute Nische. Anders sieht das beispielsweise in Tschechien oder Russland aus, wo aktuell der Absatzschwerpunkt der Gerätehersteller für diese Technik liegt. In Deutschland dürften sich vor allem pfluglos wirtschaftende, viehlose Betriebe mit starkem Anbauschwerpunkt auf Raps und Mais für dieses Verfahren interessieren. Denn einerseits eignet es sich, durch langjährige flache und nichtwendende Bodenbearbeitung verarmte Bodenschichten zwischen 15 und 35 cm aufzudüngen, andererseits können mit einer gezielten Depotdüngung Wachstumsanreize für die Wurzeln von Raps und Mais gesetzt werden

Düngen in zwei Ebenen

traction Tiefendüngung

Wer untere Bodenschichten mineralisch aufdüngen möchte, steht vor einem Problem: Wie kommt der Dünger als räumlich abgegrenztes Depot auf eine Tiefe von 20 bis 35 cm? Mit einem Scheibenstreuer den Dünger ausbringen und eingrubbern ist keine Lösung, denn der Dünger wird dabei schwerpunktmäßig zwischen 0 und 15 cm eingearbeitet, und stark mit dem Boden vermischt. Also bietet sich die direkte Einbringung mit Grubber oder Tiefenlockerer an.

Mit der heute verfügbaren Technik lässt sich der Düngerstrom aufteilen. Entweder wird das Depot 50/50 aufgeteilt zwischen oberflächennaher (ca. 5 cm) und tiefer (20 - 35 cm) Platzierung, oder zu 100 Prozent oberflächennah oder tief abgelegt. Welche Platzierung sinnvoll ist, hängt von der Folgekultur und deren Wurzelgeometrie ab, jedoch auch vom geplanten Aussaattermin – also ob man eine Startergabe ausbringen möchte, oder das Wurzelwachstum mit einem tiefer gelegenen Depot stimulieren möchte. Nährstoffe agieren dabei unterschiedlich, was ihre Lockwirkung und ihre Immobilität anbelangt. Bisherigen Erfahrungen zufolge eignen sich vor allem Ammonium und Phosphat für die Tiefendüngung.

Durch die Aufteilung des Ausbringstroms ist es auch möglich und praktikabel, mit Technik für die Tiefendüngung Zwischenfrüchte auszubringen. Einige Geräte ermöglichen es dank zweigeteilter Tanks sogar, entweder Zwischenfrüchte und Dünger getrennt oder zwei unterschiedliche Düngerarten oder Düngermischungen auszubringen.

Begrenztes Marktangebot

traction Tiefendüngung

Anbieter von Technik für die Tiefendüngung sind heute noch überschaubar. Die wichtigsten Vertreter sind Amazone (XTender für Cenius TX), Bednar (Ferti-Box in drei Versionen für verschiedene Bodenbearbeitungsgeräte), Farmet (Fertis 4,5 und Digger sowie Digger Fert+ Compact), , Horsch (Partner für Terrano) und Köckerling (Boxter für Vector und Master). Dabei sind je nach hersteller sowohl Heckbehälter als auch Frontbehälter verfügbar. Selbstfahrerlösungen wie der Holmer Terra Variant VTU oder der Claas Xerion Saddle Trac mit Lomma-Aufbau (Väderstad) sind für größere Betriebe oder Lohnunternehmer sicher interessant, werden von den Herstellern aber derzeit nicht weiter verfolgt. Möglicherweise ist aber zukünftig mit weiteren Herstellern und ggf. auch mit noch schlagkräftigerer Technik zu rechnen – hier könnte die kommende Agritechnica schon neue Lösungen parat haben.

Den ausführlichen Trendbericht mit den technischen Details zu den genannten Herstellern lesen Sie in traction Ausgabe Juli/august 2017.

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