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Praxistest

Komplexe Kombizange für Minimalisten

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Matthias Mumme, traction
am
11.03.2019

Mzuri führt mit der Pro-Til Select eine der interessantesten Maschinen für die Direkt- und Lockerungssaat im Programm. Sie zeichnet sich durch eine universelle Einsatzbarkeit, aber auch durch eine komplexe Bedienung und Handhabung aus.

Getreide, Raps, Mais und mehr

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Die Pro-Til Select des britisch-polnischen Herstellers Mzuri lässt sich in verschiedene Bereiche der Sätechnik eingliedern. Da in vielen Fällen keine Vorarbeit notwendig ist und der Boden nur streifenweise bearbeitet wird, passt die auffällig orangefarben lackierte Drille in den Bereich der Direktsaat. Aufgrund der vorlaufenden Lockerungszinken und der Möglichkeit einer Depot-Unterfußdüngung ist die Pro-Til Select aber auch der Lockerungssaat zuzuordnen. Der Reihenabstand der Lockerungszinken, von denen jeder ein vorlaufendes Schneid-Scheibensech besitzt, und der Zinken-Drillschare beträgt regulär 36,3 cm. Für die Maisaussaat können 5 der 11 Zinken der Pro-Til 4T Select hochgeschwenkt werden, sodass sich ein Reihenabstand von 72,6 cm ergibt. Raps und Mais werden mit einem schmalen Säschar in den Boden eingebettet, Getreide als Bandsaat mit einem Flügel-Säschar mit zwei Auslässen für 15 cm Saatbandbreite. Für die Maisaussaat können Vereinzelungsaggregate von Precision Planting aufgesetzt werden, die mit Vakuum vereinzeln und elektrisch angetrieben werden und (bei entsprechender Ausstattung des Traktors) die GPS-basierte Einzelreihenabschaltung Section Control besitzen. Bei gängigen Aussaatstärken funktionieren sie bis etwa 8 km/h gut. Für die Maisaggregate ist bislang noch ein separates Terminal für Bedienung und Überwachung notwendig, Mzuri arbeitet aber bereits an einer in das Standard-ISOBUS-Bedienterminal integrierten Lösung.

Für Saatgut und Dünger gibt es jeweils einen eigenen, elektrisch angetriebenen Dosierer samt eigenem Verteilerkopf. Der Vorratsbehälter ist entsprechend trennbar, kann aber auch ausschließlich für Saatgut oder Dünger genutzt werden.

Komplexe Handhabung

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Trotz ihres universellen Einsatzspektrums ist die Pro-Til Select sehr kompakt gebaut. Das ist einer sehr komplexen Konstruktion zu verdanken, die aber auch zu vielen Schmierpunkten und zu einer teuren Fertigung führt. Ersteres soll zukünftig über eine Zentralschmieranlage komfortabel handhabbar sein, letzteres manifestiert sich jedoch noch in einem sehr hohen Preis. Mzuri arbeitet jedoch bereits an konstruktiven Vereinfachungen und Verbesserungen, durch die auch der Kaufpreis deutlich sinken soll.

Ebenso komplex wie die Konstruktion sind auch Bedienung und Handhabung – die Pro-Til Select ist daher nur etwas für Profis. Vor allem die Umstellung von Transport- auf Arbeitsstellung (und umgekehrt) sollte der Hersteller deutlich vereinfachen. Denn hierfür müssen noch zu viele nacheinander folgende Arbeitsschritte mit Umstellung der Hydraulikströme über entsprechende Steuerblöcke durchgeführt werden. Der Schardruck und der Auslösedruck der Lockerungszinken lassen sich nur im Stand verändern – eine Lösung zur Anpassung während der Fahrt (z.B. für verdichtete Vorgewende) wäre zukünftig schön. Kritik gibt es auch für sicherheitsrelevante Bauteile, wie den Deckel des Vorratsbehälters und die inneren, sehr schweren und ungesicherten Gitter. Mzuri will hier aber zügig nachbessern.

Den ausführlichen Praxistest samt Arbeitsergebnissen und Praktikermeinung lesen Sie in traction Ausgabe März/April 2019.

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