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Traktorenwerk Lindner

Stufenlostraktoren: "15 bis 20 % weniger Diesel"

Lindner Lintrac 130
am Donnerstag, 25.03.2021 - 06:25

David Lindner hat in den Telematikdaten von Stufenlos- und Lastschaltvarianten der Lindner-Traktoren Unterschiede entdeckt.

David Lindner leitet das Marketing und den Export bei der Tiroler "Serienmanufaktur" Traktorenwerk Lindner. Von den Serien Lintrac und Unitrac gibt es mittlerweile sehr ähnliche Modelle, die sich vor allem beim Getriebetyp unterscheiden.

Herr Lindner, der Lintrac war ursprünglich ein Stufenlostraktor. Mittlerweile bieten Sie aber sehr ähnliche Lastschaltmodelle (Lintrac LS) an. Warum?

Viele, die unseren bisherigen Lastschalter Geotrac fuhren, wollten Besonderheiten vom Lintrac wie die lenkende Hinterachse, die starke Arbeitshydraulik oder auch mehr Platz für den Beifahrer – aber eben mit Lastschaltgetriebe.

Mag. David Lindner

Wir haben den Lintrac ursprünglich als Stufenlosen für die Berglandwirtschaft entworfen, damit man am Steilhang ohne Kuppeln wenden kann.

Aber er setzt sich zunehmen auch auf dem Acker, beim Spritzen und in Sonderkulturen durch. Und da bevorzugen manche das Lastschaltgetriebe, weil die Motordrehzahl ein direkteres Feedback zu Geschwindigkeit, Schlupf und Allradantrieb gibt.

Wie viele der Lintracs gehen aktuell mit welchem Getriebetyp über die Werkstorschwelle?

Aktuell bestellen die Kunden ca. 60% ihrer Lintracs als Stufenlosvariante und ich schätze, dass sich das langfristig bei zwei Dritteln einpendeln wird.

Spritsparmeisterschaft im Mai - mit Haken

Ich will möglichst wenig Diesel verbrauchen. Welche Variante sollte ich wählen?

Ein Stufenlostraktor verbraucht bei gleicher Fahrweise 15-20% weniger Sprit. Wir haben dazu Telemetriedaten von unseren Unitrac 112, die in diesem Winter viel im Kommunaleinsatz waren. Sie verbrauchten deutlich weniger als 6 l Diesel pro Stunde. Mit den Schaltgetrieben lag man eher bei 7 bis 7,5 l.

Genauere Vergleichswerte wollen wir jetzt auch für den Lintrac ermitteln. Deswegen starten wir ab Mai eine Spritsparmeisterschaft! Wer mitmachen will, muss nur im TracLink-Portal den entsprechenden Haken dafür setzen.

Wer muss seltener in die Werkstatt?

Lastschalt- und Stufenlosgetriebe kommen bei Lindner beide von ZF, deswegen interessiert uns der Direktvergleich: Welche Variante muss seltener in die Werkstatt?

Insgesamt gibt es keinen großen Unterschied. Beim Stufenlosen fällt natürlich der Austausch von Kupplungsscheiben weg. Bei Kunden, die viele Frontladerarbeiten mit schleifender Kupplung erledigen oder die die Motorbremse viel nutzen, kann das nach einigen tausend Betriebsstunden schon mal fällig werden.

Wie stimmen Sie Motor, Getriebe und Traktor aufeinander ab und wie ernst nehmen die Zulieferer Sie dabei? Sie sind ja eher ein kleinerer Hersteller...

Wir sind wahrscheinlich der kleinste Traktorenhersteller der Welt! (lacht) Unsere Jahresfertigung entspricht wahrscheinlich einem guten Nachmittag bei John Deere. Wir punkten bei Perkins, ZF oder Bosch-Rexroth also sicher nicht mit dem Umsatzvolumen.

Aber die wissen es zu schätzen, dass wir Neuentwicklungen sehr schnell aufs Feld bringen. Von der ersten Idee eines Traktors bis zum ersten Prototyp im Einsatz vergehen bei uns teils nur anderthalb Jahre – und dann melden wir bereits Praxisdaten zurück an die Zulieferer! Und: Wenn sie mal erst zwei Wochen später als geplant Komponenten für den Serienstart liefern können, ist das bei uns kein massives Problem. Bei größeren Herstellern würden da die Alarmglocken läuten.

Gerade die Kombi von Perkins-Motor und ZF-Getriebe ist aber eher selten geworden, weswegen wir ZF teils selbst mit Gussteilen für das Getriebe beliefern. Auch unsere lenkenden Hinterachsen fertigen wir im Haus und geben sie dann an ZF für die Getriebemontage.

Von den ca. 11.000 Teilen eines Traktors fertigen wir ca. 5.000 im Haus, haben auch noch viel spanabhebende Fertigung in eigener Hand.