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Tschechien

Tausche Kanzlei gegen 1.000 Hektar

Claas Drescher bei der Getreideernte
am Montag, 28.11.2022 - 07:00

Johannes hatte eigentlich nicht geplant, einen Großbetrieb in Tschechien zu verwalten. Das Leben mischte die Karten aber neu.

Beinahe merken wir den Unterschied nicht, wenn wir über die Grenze von Deutschland nach Tschechien fahren. Und doch ist er vorhanden. Einige Straßen sind in keinem guten Zustand, viele Gebäude stehen leer und die Umgebung wirkt etwas einsam.

Nach dem Ende der Sowjetunion rappelte sich das Land wieder auf und seit Anfang der 90er Jahre steht es auf demokratischen Beinen. Früher stark landwirtschaftlich geprägt zählt Tschechien jetzt zu den Industriestaaten. Seit 2004 ist es auch Mitglied der EU. Nun erfreut sich das osteuropäische Land nach einer kurzen Rezession einer schnellen positiven Entwicklung der Wirtschaft.

Tschechischer Glücksgriff

Johannes Rubenbauer mit Pick-Up

Wir fahren vom Grenzübergang bis kurz vor Pilsen und biegen bei Nýrany auf ein Gelände mit mehreren Hallen ab. Wie auf einem klassischen landwirtschaftlichen Betrieb sieht es hier nicht aus. Lediglich die verschiedenen Maschinen und Traktoren verraten uns, dass wir hier richtig sind.

Johannes Rubenbauer, den wir hier treffen, entschied sich nach seinem Bachelor- und Master-Studium der Agrarwissenschaften in Weihenstephan für eine Ausbildung in einer Steuerkanzlei. Er bemerkte schnell, dass ihm die reine Schreibtischarbeit nicht entspricht. So rief Johannes kurzerhand und auf gut Glück bei einem großen oberpfälzischen Entsorger an und fragte nach passenden Stellen. Er wusste, dass das Unternehmen in Tschechien landwirtschaftlich aktiv war und hoffte auf einen interessanten Neustart. Vorerst musste ihn der Eigentümer am Telefon vertrösten. Kurze Zeit später klingelte aber dann doch das Telefon, weil das Unternehmen eine rechte Hand für die Landwirtschaft in Tschechien suchte.

Nach ersten Gesprächen stellte der Geschäftsführer Johannes direkt als Betriebsleiter für einen seiner beiden tschechischen Betriebe ein. Seit drei Jahren ist der junge Absolvent nun für den biologisch wirtschaftenden Betrieb mit 1.500 ha Ackerbau und Grünland sowie für 400 Mutterkühe, reinrassige Charolais, plus Nachzucht verantwortlich. Für den zweiten 750 ha großen konventionellen Betrieb ist ebenfalls ein junger Deutscher zuständig.

Vom Betriebsleiter zum Prokuristen

Tatra LKW

Johannes machte sich. Drei Monate nach Dienstantritt wurde er zusätzlich Prokurist des Betriebs. Seither darf er Verträge unterschreiben, Maschinen kaufen und mit Grundstücken handeln. Alles im Namen des Betriebseigentümers. Daneben kümmert sich Johannes darum, den Betrieb am Laufen zu halten: „Ich plane die Fruchtfolge, kümmere mich um die EU-Bio-Zertifizierung und regele den Ein- und Verkauf von Futtermitteln, Dünger und Ersatzteilen für beide Betriebe. Unsere Produkte vermarkten wir in Deutschland und Tschechien direkt oder über Zwischenhändler.“

Wie es Johannes in Tschechien ergeht und welche Erfahrungen er gemacht hat lesen Sie in traction Ausgabe November/Dezember 2022 und im Digitalmagazin.

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