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Seed Terminator

Das ist der (Unkraut-) Hammer

Seed Terminator an Claas Lexion 770
am Donnerstag, 11.03.2021 - 08:00

Eine Hammermühle hinter dem Mähdrescher soll Ausfallgetreide und Unkrautsamen den Garaus machen. Ist es wirklich so einfach?

Nie wieder Ausfallgetreide! Nie wieder Unkraut vom Lohnerdrescher! Das verspricht der Seed Terminator – und das ohne Pflanzenschutzmittel, rein mechanisch. Letzten Sommer probierten wir das Gerät, das ursprünglich aus Australien stammt, erstmals aus.

Die Idee ist simpel: Der komplette Siebabgang des Mähdreschers geht nicht mehr direkt aufs Feld, sondern durch eine Hammermühle, die am Heck hängt.

Quetschen, Schlagen, Brechen

Hammermühle des Seed Terminators

Die Mühle bearbeitet das Material intensiver, als es der Name vermuten lässt. Der Siebabgang wird mittig in die Mühle geblasen und von Schlegeln aus gehärtetem Stahl in die Richtung der drei Körbe gedrückt. Zwischen den Körben laufen Rotoren. 

So setzt der Seed Terminator Körner aus dem Siebabgang auf vier verschiedene Arten außer Gefecht: In und zwischen Schlegeln, Körben und Rotoren werden sie gequetscht, geschlagen, gebrochen und gerieben.

Braucht Power vom Motor

Riemen übertragen die Motorpower

Im Test waren wir mit einem John Deere S690i mit 460 kW und 10,7 m Schneidwerksbreite unterwegs. In einem Weizenbestand mit durchschnittlich 80 dt/ha Ertrag fuhren wir rund 4 km/h. Der Seed Terminator braucht in Normalaustattung bis zu 60 kW an Motorleistung, um die Mühlen anzutreiben. Das funktioniert über Riemen, die mit dem Dreschermotor verbunden sind. 

Kommt der Dreschermotor an seine Grenzen, kann auch die Mühle langsamer laufen. Auf einem Zusatzdisplay warnt sie den Fahrer, sobald ihre Drehzahl zu stark abfällt. Rund 3.000 Umdrehungen pro Minute sind ideal. 

Frisch entwickelt

Erfinder des Seed Terminators ist Dr. Nick Berry aus Australien. Der Sohn eines Farmers und studierter Maschinenbauer schrieb seine Doktorarbeit über die mechanische Bekämpfung von Weidelgras (Lolium rigidum). Das Gras ist im australischen Weizengürtel weit verbreitet und wirtschaftlich betrachtet das Unkraut, das im Agrarsektor des Kontinents den größten Schaden anrichtet.

Bereits seit 1969 gab es in Australien Experimente damit, die Nichtkornbestandteile aus dem Mähdrescher durch eine Mühle unschädlich zu machen. 2013 nahm Berry das Konzept auf und machte erste Versuche mit einer Hammermühle mit Käfigen. 2016 präsentierte er erstmals ein Modell mit mechanischem Antrieb durch den Drescher.

Seither hat er die Technik stetig weiterentwickelt. Erhältlich ist der Seed Terminator für Mähdrescher von John Deere, Claas, Case IH, New Holland und Massey-Ferguson.

 

Die ausführliche Arbeitsprobe mit dem Seed Terminator lesen Sie in traction Ausgabe März/April 2021.

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