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Big Bud 16V-747

Weltgrößter Traktor grubbert wieder

Big Bud 16V-747 beim grubbern
am Montag, 25.01.2021 - 11:45

Der Big Bud 16V-747 ist nach langen Jahren im Museum endlich wieder auf dem Acker im Einsatz – zum Start mit einem 24 m Grubber.

Eigentlich gab es für den weltgrößten Agrartraktor keine Aussicht auf Besserung. Bereits seit 2009 war die 1.000-PS-Maschine außer Dienst und stand bald darauf im Museum. 

Die Williams Brothers, die ihn auf ihrer Farm in Big Sandy in Montana eingesetzt hatten, bekamen ihn nicht mehr flügge. Ein Reifenschaden bedeutete das Aus für die 1978 gebaute Maschine. Denn der ursprüngliche Reifenhersteller, die United Tire Company of Canada, war längst insolvent und Reifen in dieser Größe nicht mehr am Markt verfügbar. 

Reparatur oder neue Schlappen

Alles änderte sich, als 2019 ein Reifenspezialist den 747 eher zufällig im Heartland Museum im US-Bundesstaat Iowa entdeckt. Er kontaktierte die Williams Brothers und bot an, die Pneus zu reparieren.

Letztlich scheiterte er an dem bereits über 40 Jahre alten Material. Doch er riet den Besitzern, mit Titan Tires Kontakt aufzunehmen. Die Firma produziert nach eigenen Angaben die größten Reifen der Welt. Nach einem Gespräch mit Titan war schnell klar: Der recht neue Optitrac LSW in der passenden Größe 1400/30R46 würde auf den 747 passen. Plötzlich war ein Einsatz des alten Riesen wieder eine Option. Aber ob es sich lohnen würde?

Big Bud: Schöpfung durch Zufall

Big Bud Schöpfer Ron Harmon mit traction-Autor

Doch von vorn. Im 10.000-Einwohner-Städtchen Havre im US-Bundesstaat Montana erzielen die Landtechnikhändler Wilbur Hensler und Bud Nelson in den 1960er und -70er-Jahren ein gutes Einkommen mit dem Vertrieb von Wagner-Traktoren. Die Marke baut technisch simple, aber starke Knicklenktraktoren, die in den USA zu der Zeit sehr populär sind. 

Doch dann verzockt sich der Hersteller bei einem Deal zur Lizenzfertigung von John-Deere-Traktoren. Die gewünschten Gewinne bleiben aus, aber die Produktionslinie ist mit grünen Hirschen belegt. Viele Händler, auch Hensler und Nelson, stehen bald ohne Nachschub da. So beginnen die beiden damit, stattdessen selbst Traktoren zusammenbauen. Dabei kommt ihnen zugute, dass Chef Hensler und Serviceleiter Nelson – von allen nur „Big Bud“ genannt – bereits zuvor Wagnertraktoren umgebaut haben.

Mitte der 1970er fertigen sie als „Northern Manufacturing Company“ 12 bis 15 Einheiten zwischen 250 und 300 PS pro Jahr. Die Traktoren teilen viele Bauteile mit den Wagnermodellen und kosten bis zu 60.000 USD. Hauptmarkt ist der Kundenstamm der beiden in Montana.
Richtig durchstarten wird die Firma aber erst, als 1975 der 25-jährige Geschäftsmann Ron Harmon die Northern Manufacturing Company übernimmt, weil Hensler und Nelson kürzer treten wollen. 

Entwickelt von Praktikern

Er und ein Vorarbeiter übernehmen ab sofort maßgeblich die Entwicklung und beziehen dabei auch Praktiker ein – nicht zuletzt die Williams Brothers, auf deren Farm der 747 nun wieder ackert. 

Zusätzliche Inspiration holt sich Harmon bei den LKW und Baumaschinen in Nordamerikas Tagebauwerken. Die Maschinen dort laufen trotz härtester Einsatzbedingungen oft 30.000 Stunden, bevor sie zur ersten Generalüberholung müssen. Zudem will Harmon, dass seine Traktoren einfach gebaut sind und von jedem repariert werden können – egal wo auf der Welt.   

Weltrekord ohne Big Bud

Bud Nelson scheidet kurz nach Harmons Einstieg aus, bleibt aber Namensgeber für die nun folgenden Erfolge. Während die Firma einige Serien im Programm hat, wird der 16V-747 eine Einzelanfertigung. 

Eine Baumwollfarm aus Kalifornien hatte bei Harmon nach einem Traktor angefragt, der einen 80 Fuß (24 m) breiten Grubber ziehen kann. Binnen gerade einmal sechs Monaten schweißen Harmon und Kollegen das Gefährt für 300.000 US-Dollar zusammen. 1978 verlässt der Big Bud 16V-747 die Hallen und rollt auf den Acker. Benannt ist er nach dem Jumbo Jet Boeing 747. Sein V16-Motor von Detroit Diesel macht ihn mit damals 760 PS zum weltstärksten Agrartraktor. 

Wie die Geschichte des Big Bud weitergeht erfahren Sie in der traction Ausgabe Januar/Februar 2021.

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