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Trends & Wissen

Zwei Wege zu mehr Präzision

Externer Autor
am
11.07.2014

Um die Einzelkornsaat von Raps ist es wieder stiller geworden. Können neue technische Entwicklungen den Trend wiederbeleben? Wir geben eine Einschätzung der Lage.

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Bei der Einzelkornsaat geht der Trend seit Jahren klar zu deutlich höheren Arbeitsgeschwindigkeiten. Ein etwas schlechteres Arbeitsergebnis wird dabei manchmal in Kauf genommen. Das muss nicht unbedingt die Zellenbelegung und die Längsverteilung betreffen, denn hier sind 15 km/h und mehr bei einigen Herstellern kein Problem. Kritisch kann es aber bei der Saatguteinbettung werden, vor allem unter erschwerten Bedingungen.
 
Dazu muss man sich besonders bei der Einzelkornsaat von Raps Gedanken machen, denn das Saatgut wird wesentlich flacher abgelegt als beispielsweise bei Mais oder Soja. Abweichungen der Soll-Ablagetiefe wirken sich daher wesentlich stärker auf den Feldaufgang und die Bestandsentwicklung aus. Neue, hochmoderne High-Speed-Sämaschinen können ihr Potenzial zur Rapssaat daher nur ausschöpfen, wenn die Schare ruhig liegen (hoher Schardruck), das Saatgut bei bindigen Bodenverhältnissen nicht an den Fang- oder Andruckrollen haften bleibt und die V-Saatrille wieder zuverlässig verschlossen wird.
 
Gegen die Einzelkornsaat bei Raps sprechen zwei Faktoren. Erstens: Viele Ackerbaubetriebe besitzen eigene Drillmaschinen mit Volumendosierung für die Getreidesaat, die bestmöglich ausgelastet werden sollen. Für die meisten Betriebe kommt es daher nicht infrage, für die Rapssaat den Lohnunternehmer mit Einzelkorntechnik kommen zu lassen. Und eine eigene, zusätzliche Einzelkornsämaschine anzuschaffen lohnt sich, wenn überhaupt, nur, wenn auch Mais- oder Sojafläche damit bestellt wird. Zweitens: Niemand möchte seinen Raps auf 75 cm Reihenweite säen. Der Großteil der Einzelkornsämaschinen wird aber mit dieser Reihenweite verkauft; nur ein kleiner Teil geht mit 37,5 cm, 45 cm beziehungsweise 50 cm oder variablem Reihenabstand in den Markt.
 
Trotzdem hat die Einzelkornsaat von Raps unbestrittene Vorteile. In langjährigen Versuchen konnte ein signifikant besserer, gleichmäßigerer und oft auch schnellerer Feldaufgang festgestellt werden als bei der Drillsaat. Daraus resultierte eine zügige Jugendentwicklung bis zum Winter mit entsprechend größerer Wurzelhalsdicke, und folglich geringeren Auswinterungsschäden. In den meisten Fällen waren die Erträge vor allem in trockenen Jahren stabiler, in einigen Jahren sogar etwas höher als bei der konventionellen Drillsaat. Dies hängt jedoch nicht nur mit der besseren Saateinbettung und der gleichmäßigeren Standraumverteilung zusammen, sondern 
auch mit der Reduzierung der Saatstärke auf unter 30 Körner pro Quadratmeter. Den Einzelpflanzen stehen dadurch mehr Wasser, mehr Sonne und mehr Nährstoffe zur Verfügung. Dazu reifen die Bestände in der Regel gleichmäßiger ab, und die Durchtrocknung ist durch die verhältnismäßig einheitlichen Pflanzenabstände, die geringere Bestandsdichte und die wesentlich größeren Reihenabstände besser. Dadurch werden die Beerntung erleichtert und Folgekosten (Trocknung etc.) reduziert.
 
Bewegung in diesen Bereich kommt durch neue Vereinzelungstechnik, wie jüngst von Horsch auf der Agritechnica für die Raps- und Getreidesaat mit Pronto und  Focus TD vorgestellt. Engere Reihenweiten bei deutlich verbesserter Längsverteilung lassen sich so ebenfalls bei hohen Fahrgeschwindigkeiten und einer gleichzeitigen Unterfuß- oder Unterflurdüngung kombinieren. Andere Hersteller arbeiten aktuell ebenfalls an technischen Lösungen für die Getreide- und Rapsvereinzelung bei Volumendosierung, so dass bereits mittelfristig in einem Zeitraum von etwa zwei bis fünf Jahren ein größeres Angebot an Technik verfügbar sein sollte. mu

Weitere Details zur Raps-Einzelkornsaat und die technischen Angebote der Hersteller lesen Sie in traction Ausgabe Juli/August 2014.
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