Ratgeber 9 Tipps zur Brunsterkennung bei Sauen

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Schweinebesamung © agrarfoto Bild vergrößern
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Das Erkennen einer brünstigen Sau ist für eine erfolgreiche Besamung unerlässlich. Neun Tipps, was bei der Brunstkontrolle zu beachten ist.

1. Erkennen der Rauschestadien

Für eine erfolgreiche Brunstkontrolle ist das Erkennen der typischen Rauschestadien unerlässlich.

  • Vorbrunst: In diesen ein bis zwei Tagen ist die Sau unruhiger und reagiert verstärkt auf Geräusche. Ein Drücken in die Flanke wird von ihr mit Gegendruck beantwortet. Allerdings weicht sie einem Pressen auf den Rücken noch aus.
  • Vollrausche: Die Sau reagiert in diesen ein bis eineinhalb Tagen bei Druck auf den Rücken oder beim Aufreiten mit dem Duldungsreflex – sie steht. Dabei nimmt sie eine sägebockartige Stellung ein und hebt Kopf und Schwanz leicht an.
  • Am Tag der Nachbrunst klingt die Duldungsbereitschaft langsam ab.

2. Anzeichen für Brunst richtig deuten

Die Abläufe an den Eierstöcken der Sau lassen sich am effektivsten anhand der Veränderungen an den äußeren Geschlechtsorganen ausmachen.

  • Während der Vorbrunst ist die Vulva der Sau leicht gerötet. Es bilden sich die Follikel aus, die mit dem Eintreten der Brunst ausreifen.
  • Am Ende des zweiten beziehungsweise Anfang des dritten Drittels der Brunst tritt die Ovulation ein. Äußerlich lässt sich die für die Besamung günstige Phase am Austreten von Brunstschleim und am Duldungsreflex der Sau erkennen.
  • Mit der Nachbrunst beginnt nach der Befruchtung die Gelbkörperphase. Außerdem kommt das Absondern von Brunstschleim langsam zum Erliegen. War die Besamung nicht erfolgreich, wird der Gelbkörper abgebaut, womit die Voraussetzungen für einen neuen Zyklus geschaffen werden.

3. Brunstdauer einschätzen

Das Intervall zwischen dem Absetzen der Sau und der folgenden Rausche beträgt in der Regel vier bis sieben Tage. Wissenschaftler konnten einen deutlichen Zusammenhang zwischen dem Absetz-Östrus-Intervall und der Brunstdauer nachweisen. Sauen mit einem frühen Brunsteintritt bis zum vierten Tag nach dem Absetzen zeigen demnach eine längere Duldungsdauer. Für Sauen, die bis zum sechsten Tag in die Brunst kommen, konnte eine kürzere Brunstdauer nachgewiesen werden. Die Dauer vom Absetzen bis zum folgenden Östrus wird von verschiedenen Faktoren, wie der Länge der Säugezeit, der körperlichen Verfassung der Sau, der Jahreszeit und dem Absetzmanagement beeinflusst.

4. Schnellen Brunsteintritt begünstigen

Ein kurzes Absetz-Östrus-Intervall und damit ein schneller Brunsteintritt wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Ein gutes Management ist entscheidend für einen raschen Brunsteintritt. Hierzu zählt eine energiereiche Fütterung ebenso wie der Eberkontakt im Kopfbereich der Sauen. Der Eber sendet sexuelle Schlüsselreize aus, die auf die Sau zusammen mit spezifischen Geruchsnoten und Lautäußerungen sowie Bewegungsreizen wirken. Der enge Kontakt zwischen den Sauen und dem Eber erleichtert die Brunstkontrolle. Außerdem wirkt er sich positiv auf das Auslösen des Duldungsreflexes aus.

5. Führen eines Sauenplaners

Um die Vielzahl der anfallenden Daten im Zuchtleben einer Sau zu verarbeiten, ist das Führen eines Sauenplaners eine wertvolle Managementhilfe. Ein solches Protokoll dokumentiert den Absetzzeitpunkt, den Rauscheeintritt, die Duldungsdauer und die Belegungszeitpunkte. Außerdem können hier eventuell auftretende Abweichungen und das Ergebnis der Ultraschalldiagnostik erfasst werden. Später wird die Anzahl der lebend geborenen Ferkel vermerkt. Eine so mögliche Daten- und Fehleranalyse ermöglicht das genaue Festlegen individueller Besamungszeitpunkte und das Steigern der Fruchtbarkeitsleistungen.

6. Störungen und Stress bei Sauen vermeiden

Besonders bei nervösen oder temperamentvollen Jungsauen kann es trotz eingetretener Brunst zu Verhaltensausnahmen kommen. In diesen Fällen sind der Duldungsreflex und damit die Vollbrunst nicht zweifelsfrei zu erkennen. Störende Einflüsse oder Ablenkungen, wie ungewohnte Geräusche, Stallreinigung, Umgruppieren oder Fütterungen, sollten um den Zeitpunkt der Brunstkontrolle vermieden werden.

7. Stressfreie Brunstkontrolle

Da die Duldung der Sau nur einige Stunden anhält, ist es wichtig, die Brunstkontrolle regelmäßig durchzuführen, um den für die Besamung günstigen Zeitraum zu nutzen. Gut geeignet hierfür ist eine Kontrolle zweimal täglich im Abstand von 10 bis 12 Stunden. Um dabei Stress für die Sauen zu vermeiden, sollten hierfür Zeitpunkte nach den Fütterungen gewählt werden. Außerdem ist eine schonende Brunstkontrolle für den Belegungserfolg wichtig. Daher ist das Durchführen der Kontrolle durch eine bekannte Person vorteilhaft.

8. Ausreichend Rückenspeck

Die Fütterung muss an die Aufzuchtphasen angepasst sein, sodass sich die Tiere bis zur ersten Belegung gut entwickeln. Eine Rückenspeckdicke von etwa 18 mm bei der ersten Belegung gilt hierbei für die sexuelle Entwicklung als vorteilhaft. In verschiedenen Studien konnte nachgewiesen werden, dass Sauen mit einem höheren Speckmaß mehr Follikel bilden als magere Tiere. Zudem beeinflussen Umweltfaktoren wie genügend Bewegungsfreiraum, Lichtintensität und Eberkontakt den Pubertätseintritt der Jungsauen. Für gute Fruchtbarkeitsleistungen der späteren Zuchtsau muss das Tier zur ersten Belegung auch die Zuchtreife erreicht haben. Voraussetzungen sind hierfür neben der körperlichen Entwicklung das Alter von etwa 240 Tagen oder 140 kg Lebendmasse sowie eine stabile Zyklusaktivität.

9. Trächtigkeitsuntersuchung

Das gebräuchlichste Verfahren zur Trächtigkeitsuntersuchung ist die Umrauschekontrolle, denn die nicht tragenden Sauen werden 18 bis 25 Tage nach dem Belegen wieder brünstig. Ebenfalls häufig eingesetzte Verfahren zur Trächtigkeitsuntersuchung sind Ultraschallverfahren wie das A-Mode-Verfahren oder das Dopplerverfahren. Letzteres basiert auf einer sich verändernden Schallfrequenz, wodurch sich bewegende und für eine Trächtigkeit spezifische Strukturen im Uterus, wie Herzschlag der Föten, nachgewiesen werden können.

Laut einer Studie weist diese Untersuchung bei erfahrenen Anwendern eine Sicherheit von 87 Prozent ab dem 14. Trächtigkeitstag auf. Beim A-Mode-Verfahren werden flüssigkeitsgefüllte Strukturen erkannt, wie ein mit Fruchtwasser gefüllter Uterus. Bei Untersuchungen ab dem 28. Tag mit diesem Verfahren konnten Forscher eine Wahrscheinlichkeit von 99 Prozent nachweisen.


10 Tipps zur Minimierung der Ferkelverluste
  • Tipp 1: Um Verluste zu verringern, Sie sollen auf die Zeit zwischen den Geburten einzelner Ferkeln achten. Das beträgt in der Regel maximal 15 Minuten. Tot geborene Ferkel kommen erst nach 45 bis 60 Minuten. © Bräunig/Grave
  • Tipp 2: Sie könnnen den Anteil an erdrückten Ferkeln während des Geburtes senken, wenn Sie den Sauen bereits vor der Geburt Nestbaumaterial anbieten. Hier haben sich Jutesäcke bewährt. © Bräunig/Grave
  • Tipp 3: Beim "Grätschens" hilft es, wenn Sie die Hinterbeine des Ferkels zusammenbinden. Für eine verbesserte Bodengriffigkeit können Sie Trockenpulver oder eine Matte verwenden. © Bräunig/Grave
  • Tipp 4: Stellen Sie eine optimale Temperatur von 32 bis 35 C° im Ferkelnest sicher. Tipp 5: Dämen Sie das Licht im Ferkelnest. Zu viel und zu starkes Licht wirkt immunschwächend. Neugeborene ziehen das Halbdunkel vor - daher sind Rotlichtlampen zu empfehlen. © Bräunig/Grave
  • Tipp 6: Geben Sie den Ferkeln möglichst schnell Kolostrum. Die Reserven von Ferkeln reichen höchstens für einen Tag. Das Ferkel muss möglichst schnell Kolostrum aufnehmen, um die Energie aus der Milch in Wärme umzusetzen. © Bräunig/Grave
  • Tipp 7: Die Sau bildet nur eine bestimmte Menge Biestmilch mit lebensnotwendigen Abwehrstoffen. Damit jedes Ferkel seinen Teil bekommt (mindestens 250 g pro Ferkel), können Sie die erstgeborenen Ferkel markieren und diese, nachdem sie schon getrunken haben, hinter eine Trennwand setzen, um auch die zuletzt Geborenen trinken zu lassen. © Bräunig/Grave
  • Tipp 8: Beim (Tot-)beißen geben Sie den Sauen kein Oxytocin, dafür eventuell ein Beruhigungsmittel. Ferkel von Jungsauen sind anfälliger als die von Altsauen für Infektionen, weil das Abwehrsystem ihrer Mütter noch nicht voll entwickelt ist. © Bräunig/Grave
  • Tipp 9: Beim Kastrieren sollen Sie es mit einem waagerechten Schnitt versuchen anstelle von zwei senkrechten. So verursachen Sie statt zwei Wunden nur eine. © Bräunig/Grave
  • Tipp 10: Der beste Zeitpunkt zum Verabreichen von Eisen ist der dritte Lebenstag. Geben Sie keines bei Infektionen der Ferkel mit Clostridien und bei E.-coli-Durchfällen. © Bräunig/Grave
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