Genetik Schweinezucht: Welche Sauen braucht das Land?

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Je nach Betriebstyp, Arbeitsorganisation oder Vermarktung werden unterschiedliche Ansprüche heutige Sauen gestellt. © Mühlhausen/landpixel Bild vergrößern
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Die Schweinezuchtlandschaft in Deutschland ist im Wandel. Neue Herausforderungen beeinflussen die Zuchtziele. Mehr dazu in der LAND & Forst 36/16.

Bei Norddeutschlands Ferkelerzeugern finden sich heute nur noch wenige Sauenherkünfte im Stall, die Zahl der Zuchtunternehmen lässt sich inzwischen fast an einer Hand abzählen. Und jeder Anbieter von Sauengenetik hat auch mindestens einen „passenden“ Eber im Angebot.

Zuchtziele entwickeln sich natürlich beständig weiter. In den vergangenen Jahren hat es aber gerade auf der Mutterseite deutliche Veränderungen gegeben. Vor Jahren stand die absolute Zahl geborener Ferkel als Fruchtbarkeitsmerkmal im Vordergrund. Heute gibt es mehrere Faktoren, die berücksichtigt werden sollten. Sie sind neuen Erfordernissen der Produktion, des Marktes geschuldet oder sie sind Reaktion auf die anhaltenden gesellschaftlichen Diskussionen bezüglich der intensiven Tierhaltung oder eine Mischung aus beidem.

In der Kritik steht, dass Sauen mehr Ferkel gebären als sie aufziehen können oder zu kurze Nutzungsdauer oder eine vermeintlich höhere Krankheitsanfälligkeit „hochgezüchteter“ Tiere, um nur einige Beispiele zu nennen.

Hoher Betreuungsaufwand bei über 30 abgesetzten Ferkeln

Die hohe Zahl an Ferkeln sorgte vor Jahren für einen regelrechten Siegeszug der diesbezüglich damals führenden Genetik aus unserem nördlichen Nachbarland. Andere Genetiken haben inzwischen nachgezogen, gleichzeitig ist heute aber auch Ernüchterung eingekehrt: Deutlich über 30 abgesetzte Ferkel je Sau und Jahr erfordern eben auch einen deutlich höheren Betreuungsaufwand, der Einsatz von künstlichen Ammen kostet ebenso Geld wie etwa eine Beifütterung der Saugferkel.

Und zum Beispiel eine ständige Geburtsbetreuung lässt sich mit Fremdarbeitskräften nicht immer so einfach organisieren bzw. umsetzen. Da sind dann in einigen betrieblicher Situation vielleicht doch eher Sauen gefragt, die einfach abferkeln und ihre Ferkel möglichst selbst groß ziehen.

In Gruppe bewegen sich Sauen mehr

Im Wartestall ist seit einigen Jahren die Gruppenhaltung vorgeschrieben, viele Betriebe mussten ihre Ställe dafür umbauen. In der Gruppe bewegen sich die Sauen deutlich mehr, außerdem müssen sie mit ihren Buchtengenossinnen klar kommen. Das erfordert „verträgliche“ Tiere mit stabilem Bewegungsapparat und stabilen Klauen.

„Verträgliche“ Tiere, die unempfindlich gegen Stress sind, wünscht sich der Sauenhalter demnächst auch im Hinblick auf das Verbot des Schwänzekupierens. Wer schnell Stress hat, neigt vermutlich eher zu Kannibalismus oder Schwanzbeißen.

Mehr zum Thema lesen Sie in der LAND & Forst Ausgabe 36/2016 auf den Seiten 34 bis 37. Möchten Sie die LAND & Forst zum Probelesen bestellen? Dann klicken Sie hier…


So kontrollieren Sie die Tiergesundheit bei den Mastschweinen
  • Verhaltensstörungen wie Schwanzbeißen müssen im Stall täglich kontrolliert werden.
     

    © Thomas Richter
  • Verstärktes Interesse an den Ohren der Buchtenkollegen kann ein erstes Indiz für Kannibalismus sein.

    © Thomas Richter
  • Schwarze Tränenrinnen unter dem Auge deuten auf Atemwegsprobleme hin.

    © Agnes Richter
  • Treten geschwollene Augenlider auf, sollte die Ursache ermittelt werden.
     

    © IDT Biologika
  • Auch Flüssigkeitsgefüllte Schwellungen werden im Kontrollbogen erfasst. Bei einem Tier kann man sehen, dass er vom Kannibalismus betroffen ist.

    © Agnes Richter
  • Gesunde Schweine haben keine Kotreste am After.
     

    © Agnes Richter
  • Hier ist die Kotkonsistenz deutlich zu fest.
     

    © LSZ Boxberg
  • Starke Verunreinigungen der Schweine sind in der Regel ein Zeichen dafür, dass etwas im Haltungssystem nicht stimmt.

    © Thomas Richter
  • Auffälligkeiten der Haut können auch durch Erreger verursacht sein, im Bild liegt eine Staphylokokken-Infektion.
     

    © Agnes Richter
  • Die Kontrolle des Fundaments ist ein Muss, Schürfwunden gehen mit Schmerzen einher.

    Weitere Infos zum Projekt finden Sie hier
     

    © Agnes Richter
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