Frostschutz So beugen Sie Auswinterungsschäden im Getreide vor

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Thermometer liegt im Schnee © fotolia/naumov Bild vergrößern
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Winterfestigkeit ist ein entscheidendes Merkmal der Ertragssicherheit. Auswinterungen können die Ertragsfähigkeit bis zum Totalschaden beeinträchtigen. Folgende Maßnahmen können Auswinterungsschäden vorbeugen.

Winterfestigkeit ist keine fixierte Eigenschaft, sondern hängt ab von

  • der Belichtung
  • dem Verlauf der Jugendentwicklung
  • dem Temperaturwechsel
  • dem osmotischen Wert

Beim Getreide kann durch Arten- und Sortenwahl und durch acker- und pflanzenbauliche Maßnahmen die Auswinterung in gewissen Grenzen begegnet werden. Der agrarmanager hat in der Ausgabe November 2016 beschrieben, was die Ursachen für Auswinterungsschäden sind und wie sie sich vermeiden lassen.

4 Ursachen für Auswinterungen

  1. Der Eistod, der durch irreversible Wasserarmut des Zellplasmas infolge intrazellulärer Eisbildung eintritt. Betroffen sind insbesondere die oberen Wurzelbereiche und die Pflanzenteile um den Bestockungsknoten. Die oberen Teile sind weniger frostempfindlich. Schädigungen treten bei Kahlfrösten mit Temperaturen ab -12 bis -15°C auf. Zwischen den Wintergetreidearten bestehen deutliche Unterschiede. Winterroggen kann durchaus Temperaturen von -25°C schadlos überstehen.
  2. Der Frosttrockentod tritt infolge des Wasserentzuges bei klarem Winterwetter und intensiver Sonneneinstrahlung ein, wenn Eisbildung die Wassernachlieferung aus dem Boden verhindert. Besonders gefährdet sind üppig vegetativ entwickelte Bestände mit naturgemäß erhöhtem Wasserbedarf. Am häufigsten tritt der Frosttrockentod bei üppiger Wintergerste und sehr früh gesätem Winterweizen auf.
  3. Pflanzen können unter einer dicken oder überfrorenen Schneedecke ersticken und ausfaulen. Durch die Atmung des Bodens und der Pflanzen wird Kohlendioxid frei. Sauerstoffmangel und erhöhte Kohlendioxid-Mengen sind die Folge, was die Pflanzen zunächst ersticken und dann verfaulen lässt. Als vorbeugende Maßnahme hilft hier nur eine zu üppige vegetative Entwicklung einzugrenzen.
  4. Durch Wechselfröste am Ende des Winters kommt es zum Auffrieren. Infolge der Temperaturdifferenzen zwischen Tag und Nacht kommt es zu Spannungen im Boden, die durch Volumenänderungen zum Abriss von Wurzeln und -teilen führen. Durch Walzen der Bestände kann dem Auffrieren relativ leicht und sicher begegnet werden.

So erkennen Sie Auswinterungsschäden im Getreide

Zeigen sich erste Schäden, sollte so früh wie möglich der Grad der Auswinterung geprüft werden. Der beste Maßstab ist die Vitalität der Pflanzen. Hier empfiehlt sich die Torso-Methode: Von den geschädigten Schlagteilen sind 20 bis 25 Pflanzen zu entnehmen. Die an den Wurzeln haftende Erde sollte bei gefrorenem Boden zunächst bei Zimmertemperatur auftauen. Zur Herabsetzung der Transpiration sind die Blätter auf drei bis vier Zentimeter und ebenso die Wurzeln einzukürzen.

Anschließend sind die Getreidepflanzen in Blumentöpfe einzusetzen. Der Bestockungsknoten sollte etwa 3 Zentimeter mit Boden bedeckt sein. Zimmertemperatur, Licht und ausreichend Feuchte begünstigen die Prüfung. Nach 8 bis 12 Tagen kann ein sicheres Urteil über die Vitalität der Pflanzen anhand des Wurzelbildes gefällt werden. Zeigen sich neben den alten bräunlichen Wurzeln neue helle Austriebe, sind die Pflanzen nicht geschädigt.

Maßnahmen zur Verhinderung der Auswinterung

Maßnahmen im Herbst:

  • standortgerechte Arten- und Sortenwahl
  • reichliche Kalidüngung
  • gute Rückverfestigung des Saatbeets
  • Einhaltung agronomischer Termine
  • sortenspezifische Produktionstechnik

Maßnahmen im Frühjahr:

  • die Vitalität der Pflanzen mit der Torso-Methode schnellstmöglich testen.
  • salzfreie, organische N-Düngemittel (Harnstoff) in Teilgaben verabreichen und die N-Düngung auf hohe Einzelährenerträge ausrichten
  • die Herbizidmenge um 10 % absenken, keine Mischungen anwenden
  • Formwalzen gegen "Hochfrieren" und bei unzureichender Triebdichte einsetzen
  • Wachstumsregler nach dem Zustand der Bestände anwenden, bei geschädigten Pflanzen später, sehr früh dagegen bei gering bestockten Pflanzen, möglichst unter Kurztagsbedingungen.
  • Die Entscheidung über Umbruch, Einsaat oder "Rettungsmaßnahmen" ist nach ökonomischen Kriterien zu treffen.
  • Bei Umbruchentscheidung muss unbedingt der bereits erfolgte Herbizideinsatz berücksichtigt sein.
  • Durch die N-Verlagerung beim Umbruch von gedüngtem Getreide ist auch der Nachbau von Leguminosen möglich. Die Knöllchenbildung wird nur durch direkte N-Düngung der Leguminosen eingeschränkt.
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