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Lebenseinstellung

Angst und Zuversicht

America first
Pfarrer i. R. Hermann Ehle, Niederraunau
am
28.03.2019

Überall tauchen neuerdings in aller Welt Regierungen auf, die nach dem Motto handeln: „Amerika first!“, „Wir zuerst!“

Im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt. Er setzt seine Felder und Wiesen instand. Er pflüget den Boden, er egget und sät und rührt seine Hände früh morgens und spät“, so heißt es in einem alten Volkslied und drückt aus, wie sehr wir genau diese und ähnliche Erfahrungen nach dem Winter, langer Nacht und vielem Nebel brauchen und auch bekommen. Mit großer Dankbarkeit dürfen wir dieses Geschenk entgegennehmen.

Fundamental, sagt die moderne Neurologieforschung, ist nämlich das angeborene Bedürfnis nach Wohlfühlen, Harmonie und Verstehen. Wenn uns in unserem Erleben etwas „sympathisch“ ist, löst das in unserem Gehirn spontan ein freundliches Verhalten aus. Erst wo dieses Urbedürfnis massiv gestört wird, an unserer „Schmerzgrenze“ sozusagen, meldet sich reaktiv, ebenso spontan die Aggression zur Abwehr einer Bedrohung. Diese Erkenntnis könnte Politik und Wirtschaft, die Medien und vor allem auch uns selber inspirieren, ein neues, aufgeschlossenes, zugewandtes Verhalten zu leben. Unsere Natur hat uns dazu in besonderer Weise befähigt.

Ein Blick in die große Politik aber muss uns jeden Tag einen hellen Schrecken einjagen. Überall tauchen neuerdings in aller Welt Regierungen auf, die nach dem Motto handeln: „Amerika first!“, „Wir zuerst!“, Egoismus pur – und das auf verstörende Weise auch in unserem Erdteil, wo seit siebzig Jahren ein erstaunlicher Frieden herrscht. Wohl kein gutes Omen für die kommende Europawahl!

Kein gutes Omen aber auch in unseren kleinen Nachbarschaften, in Familien, Vereinen, Dörfern und Städten. Der Motor für diese fatale Entwicklung ist die nackte Angst vor dem anderen! Angst ist aber zunächst notwendig und zu unserem Selbstschutz angelegt. Darum taucht sie auch wie aus dem Nichts heraus auf. Eine große Hilfe zum Überleben, aber auch eine massive Tragik! Zum großen Glück aber haben wir auch das Bedürfnis nach Harmonie und Liebe, das in unserem Gehirn spontan ein freundliches und angstfreies Verhalten auslöst.

Wäre das nicht jetzt in der Fastenzeit ein besseres Trainingsprogramm als die bloße Askese, die nur der Abwehr von überbordendem Antrieb dient?

 

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