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Lebenseinsichten

Wie ein Baum

Apfelbaum
Pfarrer Werner Lauterbach, Röckingen
am
07.02.2019

Ein Baum kann uns zu Einsichten in unser Dasein verhelfen, über den Grund seines und unseres menschlichen Lebens.

In unserem Garten steht ein kräftiger Apfelbaum mit weit ausladenden Ästen. Im Schatten seines Blätterdachs trinken wir im Sommer gerne ein Tässchen Tee. Oft betrachte ich ihn und merke dabei, wie sein Dasein mir zu Einsichten verhilft über den Grund seines und unseres menschlichen Lebens. Er wurzelt in der Tiefe, reckt sich nach oben; er lebt von den Nährstoffen der Erde und braucht das Licht der Sonne. Ohne Wurzeln kann kein Baum leben. Sie geben ihm Halt und versorgen ihn mit Nahrung.

So wird der Baum zur Anfrage an uns: Wo sind die Wurzeln unseres Lebens? Jeder Mensch braucht einen Boden, in dem er Wurzeln schlagen kann. Die Bibel verweist darauf, dass die tiefsten Wurzeln unseres Lebens ihren Ursprung in Gott haben. „Gesegnet ist der Mann, der sich auf den Herrn verlässt und dessen Zuversicht der Herr ist. Der ist gepflanzt wie ein Baum am Wasser und am Bach verwurzelt“ (Jer. 17,7). Strecken sich die Wurzeln unseres Lebens aus in den Grund des Urvertrauens, dass Gott es mit meinem Leben gut und recht machen wird?

Der Apfelbaum hat auch einen dicken Stamm. Er trägt und stützt; in ihm steigen die Lebenssäfte auf. Manchem Sturm und Unwetter hat er schon getrotzt. Dabei setzt der Stamm Jahr um Jahr einen neuen Ring an. Wer diese Ringe zu lesen vermag, dem können sie etwas erzählen von der Lebensgeschichte des Baums.

Auch wir legen in unserem Leben mit jedem Jahr einen Ring dazu. Die vielen großen und kleinen Erlebnisse und Erfahrungen gehen nicht spurlos an uns vorbei. Sie prägen uns. Sie machen uns reif und einsichtig. Wir dürfen vertrauen, dass wir in der Hand Gottes bleiben, auch wenn wir den letzten unserer Lebensringe erreicht haben. Und schließlich ist da noch die Baumkrone mit den Ästen. Aus den Ästen entfalten sich Knospen, Blüten, Blätter und schließlich Äpfel. Unser Baum verschenkt großzügig, was auf ihm gewachsen ist. Gilt dies nicht auch für unser Menschsein? Wir sind nur lebendig, wenn wir uns entfalten, wenn wir weitergeben und teilen, wenn unser Leben Frucht bringt. Durch Geben und Schenken werden wir ja nicht ärmer, sondern reicher. Unser Leben bekommt dadurch erst Fülle und einen Sinn.

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