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Glück

Die Botschaft der Bergpredigt

Peter Riel, Theologe
am
26.01.2017

Nürnberg - Der Anfang der Bergpredigt wird geradezu feierlich beschrieben: Jesus stieg auf einen Berg, setzte sich und spricht fast wie ein König zu denen, die ihm gefolgt sind. In seiner Predigt spricht er, dass selig sind die Armen, die Leidtragenden und Sanftmütigen, die nach Gerechtigkeit hungern und dürsten, die Barmherzigen und Friedfertigen. Jesus spricht die Verlierer der menschlichen Gesellschaft an und preist sie selig.

Berg in Israel

Aber was für ein Glück ist denn das? Dabei müsste es doch ganz anders heißen: glücklich die Reichen, die von Leid, Not und Tod Verschonten, glücklich die Gewalttätigen und die, die keinen Hunger und Durst kennen. Wer alles hat oder in seinem Leben bekommt, ist doch glücklich. Eine erfahrbare Hierarchie von Werten, die Jesus jetzt ins Wanken bringt. Zieht nicht bei der täglichen Demonstration von Reichtum, Macht und Leistung die überaus große Mehrheit aller Menschen immer wieder den Kürzeren? Die Zuhörer Jesu vernehmen: „Selig, die Frieden stiften und die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden.“

Paulus, der große Völkerapostel war nie müde geworden, Menschen für Jesus zu begeistern. In den ersten Christengemeinden hat er immer wieder für Frieden gesorgt. Wie oft ist er beschimpft, vertrieben und sogar gesteinigt worden, weil man seine Botschaft nicht hören wollte. Es ist also kein Zufall, dass die Bergpredigt am Anfang des Neuen Testaments steht. Denn Jesu Worte schütteln die scheinbar wohlgeordnete Welt durcheinander und stellen sie auf den Kopf. Gerade den Menschen, die im realen Gesellschaftssystem das Nachsehen haben, gibt Gott eine neue Chance. Sie werden nie und nimmer durch die Maschen von Gottes Liebe und Barmherzigkeit fallen. Die Seligpreisungen vertrösten also nicht auf das Jenseits, damit einmal durch Gott die Armen reich, die Reichen arm werden und seine Gerechtigkeit den Ausgleich schafft.Jesus will seinen Zuhörern sagen, das Leben gelingt denen, die unter der Ungerechtigkeit der Welt leiden und lieber selbst Unrecht leiden als Unrecht tun. Das Leben gelingt denen, die auf Gott warten können, weil sie wissen, er hat das letzte Wort.

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