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Lamas und Alpakas

Einfach zum Verlieben!

Alpaka-Maria-Wohlfahrt
Elisabeth Jahrstorfer
am
12.05.2017

München - Lamas und Alpakas sind angenehme Begleiter des Menschen und leicht zu halten. Das macht sie so beliebt. Zudem sind sie vielseitig nutzbar. Sie sind eine Attraktion für Bauernhöfe, die sich auf Angebote für Kinder spezialisiert haben.

Viele Tiere, die in Gruppen in einer großen Halle zusammenstehen, das ist typisch bei Tierveranstaltungen. Doch irgendetwas ist anders bei den Europäischen Lama- & Alpakatagen, die Ende April in der Viehmarkthalle Ingo Park in Ingolstadt stattfanden. Es fehlt der Geruch nach Tieren und es ist extrem ruhig. Nur wenn man näher an die neugierig herumschauenden Tiere herantritt, nimmt man hin und wieder ein leises Summen wahr. „So kommunizieren die Tiere untereinander“, erklärt Helmut Pochmann aus Beuerberg bei Wolfratshausen. „Bei Gefahr wiehern sie. Das ist ihr Warnschrei“, erklärt der Rentner weiter. Doch das hört man hier nicht.
Die angenehme Ausstrahlung der kleinen höckerlosen Neuweltkamele aus den südamerikanischen Anden ist es auch, was viele Menschen fasziniert. Und zwar so sehr, dass sie sich schließlich eine kleinere oder größere Herde zulegen. Dabei kann das „Lama- und Alpakavirus“ jeden infizieren. Vom Landwirt bis zum Manager und Unternehmensberater, Männer und Frauen. Wer keinen Hof hat, kauft oder pachtet die notwendige Fläche. Manche steigen damit erstmalig in die Landwirtschaft ein.

Vom Hobby bis zur Erwerbsgrundlage

Es geht um Leidenschaft, im Großen wie im Kleinen. Ursula Sauer hat ihre Kleintierpraxis bei München vor zwölf Jahren aufgegeben und sich stattdessen in Schwaighofen bei Königsdorf (Lks. Wolfratshausen) einen kleinen Hof zugelegt. Dann hat sie sich „aus Versehen in Alpakas verliebt“. Inzwischen hält sie zusammen mit ihrem Mann 39 Alpakas und Lamas. Weil die Tierärztin festgestellt hat, dass Darmparasiten und Geburt zwei kritische gesundheitliche Aspekte bei der Haltung sind, gibt sie Kurse für Neubesitzer. Daneben betreibt sie unter der Marke Tölzer Land Alpakas einen Hofladen mit eigenen Wollprodukten und zugekauften Alpakatextilien aus Peru.
Magdalena Bernert, die selbst drei Alpakas besitzt, bezeichnet sich als „Hofmitglied“ des Moahof in Tulling (Lks. Ebersberg) mit 15 Alpakas.  Sie ist begeistert vom Charakter der Tiere: „Sie sind geradlinig, direkt, ruhig und intelligent. Die Tiere lernen schnell und spielerisch nur durch das Führen, wenn sie mit dem Menschen klarkommen.“ Die junge Frau geht mit hand- und maschinengesponnener  Alpakawolle  und anderen Alpakaprodukten auf Märkte.
„Bei den Lamas gibt es keinen Stress. Die Tiere bestimmen das Tempo, wenn man mit ihnen spazieren geht. Das sind so liebe, einfühlsame Tiere. Ich möchte sie nicht eine Minute missen“, sagt Helmut Pochmann begeistert. „Das Lama ist der Delfin der Wiese“, ergänzt der Rentner und ehemalige Unternehmensberater. Wegen seiner Lamaherde aus neun Hengsten und Wallachen ist er mit Frau Margit, Tochter und Schwiegersohn von München nach Beuerberg im Alpenvorland umgesiedelt. Hier weiden die Tiere auf der 1 ha großen Weide neben dem Wohnhaus. Schwiegersohn Oliver Wahl geht nach einem stressigen Arbeitstag zwei Stunden mit einem der Lamas spazieren. „Dann ist der Stress vergessen“, sagt der Manger. „Das Lama ist mein Therapietier.“ Aus der Wolle ihrer Tiere lässt die Familie Decken herstellen, den Dung nutzt sie als Blumendünger. Im Sommer ist geplant, Wanderungen im Rahmen des Ferienprogramms der Gemeinde anzubieten. Rio Lamas nennt die Familie den Betrieb und vermittelt den Eindruck, dass sie mit den Tieren noch mehr vorhat.
Ihre Lamas hat das Ehepaar Pochmann bei Walter Mair aus Oberbozen in Südtirol gekauft und dort auch gleich einen dreitägigen Einsteigerkurs in die Tierhaltung absolviert. Walter Mair hat vor 15 Jahren sein Hobby zum Beruf gemacht und den Kaserhof, einen Erlebnisbauernhof mit Lamas und Alpakas, Vollblut-arabern, einer Hofschänke und Ferienwohnungen aufgebaut. Mit 210 Tieren ist er nun der größte Züchter von Lamas und Alpakas in Europa.

Verschiedene Züchtungen

Wie bei allen Nutztieren gibt es auch bei den Lamas und Alpakas verschiedene Züchtungen. Die kleineren Alpakas (bis max. 90 cm Körperhöhe), die mit den wildlebenden Vikunjas verwandt sind, wurden von den Indios wegen ihrer Wolle gezüchtet. Es gibt zwei Typen, die sich in der Struktur der Wollfaser unterscheiden. Das Huacaya-Alpaka zeichnet sich durch eine feine, gleichmäßig gekräuselte „flauschige“ Faser aus. Beim Suri-Alpaka hängt die Wolle in langen, gedrehten Fasern glatt am Körper herab.
Lamas sind mit ca. 1,30 m Körperhöhe größer als Alpakas und haben bananenförmige Ohren. Sie stammen vom wilden Guanako ab und wurden in ihrer Heimat als Lasttier, aber auch als Fleischlieferant und teils wegen der Wolle gezüchtet. Es gibt leicht bewollte Typen, das Classic Lama, das dadurch schlanker wirkt, mittelbehaarte Typen und das starkbewollte sogenannte Wooly-Lama. Auch beim Lama gibt es die Suri-Variante, bei der die Wolle in gelockten Strähnen vom Körper fällt. 15 bis 20 Jahre werden die Tiere alt und da man bei uns im Gegensatz zu ihrer Heimat ihr Fleisch nicht isst, erreichen sie ihr Höchstalter oft auch, zur Freude ihrer Besitzer.

Schön an Gestalt und gut ausgebildet

Obwohl es inzwischen rund 25.000 Lamas und Alpakas in Europa gibt, ist der eingeschworene Kreis der Halter noch überschaubar und eine kleine Gemeinschaft. Man kennt sich. Nach Ingolstadt sind 32 Halter aus Deutschland, der Schweiz und Italien mit 165 Lamas und Alpakas gekommen, um sie von der Jury bewerten zu lassen und zu erfahren, ob sie mit ihrer Zucht auf dem richtigen Weg sind. Natürlich auch, um für das eine oder andere Tier vielleicht einen Käufer zu finden. Und nicht zuletzt, um sich zu treffen und sich auszutauschen.
Im Ring steht Maria Wohlfarth und begutachtet die Tiere. Als stellvertretende Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Europäische Lama- und Alpakashows (AELAS e.V., www.aelas.org), die die Tiershow ausgerichtet hat, ist sie maßgeblich an der Organisation beteiligt. Und als Mitglied des Richterteams bewertete sie zwei Tage lang Hengste, Wallache und Stuten der verschiedenen Typen und Farbschläge hinsichtlich Körperbau und Wollqualität. Hindernis- und Trekking-Parcours zeigen die Fähigkeiten und Ausbildung der Tiere sowie die der Tierführer. Ihre menschlichen Begleiter führen die Tiere zum Beispiel um und über Hindernisse sowie durch einen Zelttunnel. Die Übungen sind eine Vorbereitung auf spätere Trekkingtouren. Denn in der Natur müssen die Kleinkamele unter hängenden Zweigen durchschlüpfen, über Baumstämme steigen oder steiles Gelände erklimmen.
Maria Wohlfarth züchtet seit 23 Jahren Lamas und Alpakas auf ihrem Alpakahof in Neuburg-Marienheim. Damit war sie eine der ersten Züchterinnen in Bayern. Unter dem Namen Goldstar Alpakas sind ihre gut ausgebildeten Tiere bei Kennern beliebt. Denn die engagierte Frau legt nicht Wert auf Masse. Ihr geht es darum, dass ihre Käufer Tiere bekommen, die sich gut führen lassen.

Gut für tiergestützte Therapie geeignet

Seit zwölf Jahren stellt Maria Wohlfarth ihre Tiere der Sportlehrerin Sissi Fischer zur Verfügung. Diese setzte sie in der therapeutischen Arbeit mit behinderten Kindern bei der Arbeiterwohlfahrt ein. Denn die Lamas und Alpakas übertragen ihre Ruhe auf die Kinder, bewerten sie nicht und helfen ihnen, ihr Selbstbewusstsein zu schulen. Das Highlight des Jahres für die Kinder ist ihr Auftritt auf den Lama- und Alpakatagen. Nachdem alle Kinder den Trekking-Parcours hochkonzentriert mit Bravour gemeistert haben, bekommt jedes von ihnen eine Medaille und eine Urkunde. Ihre Freude ist den Kindern ins Gesicht geschrieben.
Weiter geht es im Programm. Während in der zweiten Halle immer noch Hengste prämiert werden und Aussteller die neueste Alpakamode made in Peru sowie Seifen mit Keratin aus Lamawolle für den Hofladen (www.alpakakeratinseife.de) zeigen, hat sich im großen Ring die AELAS-Jugend formiert. Wie bei einer Pferdeshow führen die Jugendlichen eine Quadrille auf. Die Lamas und Alpakas führen sie an der Hand. Gar nicht so einfach, wenn man weiß, dass Alpakas und Lamas nur tun, was sie selber wollen. Da muss die Mensch-Tier-Kommunikation wirklich stimmen.

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