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Zum Sonntag

Erfasst von der Heiligkeit

Holzfeuer
Kirchenrat Reiner Schübel
am
08.06.2017

München - Im Jahr 1654 schrieb der Mathematiker und Physiker Blaise Pascal über seine Gottesbegegnung: „Feuer. Gott Abrahams, Gott Isaaks, Gott Jakobs, nicht der Philosophen und der Gelehrten. Gewissheit, Empfinden. Freude. Friede. Gott Jesu Christi ... Tränen der Freude.“

Ähnlich überwältigt erlebt der Prophet Jesaja das Unfassbare, die Heiligkeit Gottes. Ja, heilig ist er, dreimal heilig, auf hebräisch „kadosch“. „Schwere“ heißt das und „Glanz“, im Himmel, auf der Erde, jetzt und ewig. Eine Domäne, die kein Sterblicher betreten kann. Eine andere Dimension. Das Unnennbare hat einen Namen: Der Heilige Israels. Ihm allein gilt das dreimal „Heilig“, so einzigartig und mächtig, dass die Schwellen beben und das Haus sich erfüllt mit Rauch. Angesichts des Unvergleichlichen spürt Jesaja seine Erdenschwere, die Unreinheit seiner Lippen, die Gleichheit mit seinem Volk. Wer dem Heiligen begegnet, wird nicht ausgesondert, sondern hineingestellt in die Menschheit. An ihm vollzieht sich stellvertretend, was auch sie nötig hat: Eine Engelsgestalt nimmt eine glühende Kohle vom Altar, berührt damit Jesajas Mund und brennt alles Unheilige weg. Ein einziger göttlicher Funke hat den sterblichen Jesaja berührt und er ist gereinigt, frei. Die Heiligkeit Gottes „heiligt“ alles, was sich ihm verdankt.

Der Schweizer Dichter Kurt Marti sehnt sich nach nichts anderem, wenn er unter dem Titel „Der Name“ schreibt: „Vielleicht, dass Heisenberg wirklich die Weltformel fand, das wird sich noch weisen; aber wann wird die Heiligung jenes Namens erscheinen, der mehr ist als Welten und Formeln; vielleicht, dass die Herren der Erde wirklich nicht nur das Unrecht erstreben, das wird sich noch weisen; aber wann wird die Heiligung jenes Namens erscheinen, der die Erde verwandelt in eine Sonne des Rechts? Vielleicht dass die Christen wirklich das Licht sind der Welt, das wird sich noch weisen; aber wann wird die Heiligung jenes Namens erscheinen, der Finsternis sprengt mit Explosionen des Lichts?“

Trinitatis feiert und verheißt die Heiligung, die gänzliche Durchdringung der Welt mit Gottes lichter Herrlichkeit (zu Jes 6,1-8).

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