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Zum Sonntag

Der Fasching ist nicht das ganze Leben

Pfarrer Josef Dotzler
am
23.02.2017

Neufahrn - In diesen Tagen erreicht der Fasching seinen Höhe- und zugleich Schlusspunkt: Kostüme, Umzüge und närrisches Treiben an vielen Orten!

Fasching

Das Faschingsende definiert sich aus der darauf folgenden Fastenzeit, die immer mit dem Aschermittwoch beginnt. Der alte Name „Fastnacht“ weist auf den Ursprung des Faschings hin: Die Nacht vor dem Fasten, in der man noch ausgiebig gefeiert hat. Schon im 15. Jahrhundert tat man das drei Tage lang. Im 19. Jahrhundert begann die Zeit der Tanzveranstaltungen und der Maskeraden schon nach Epiphanie (6. Januar). Der „Faschingsbeginn“ am 11. November geht auf eine Fastenzeit vor Weihnachten zurück, die in früheren Jahrhunderten gehalten wurde und am 12. November begonnen hatte. Die Bindung an die Fastenzeit drückt sich auch in dem Wort „Karneval“ aus („carne vale“ heißt übersetzt „Fleisch lebe wohl“). Bevor man vierzig Tage lang den Fleischspeisen entsagte, hat man sie noch einmal reichlich genossen.

Ich kenne Leute, die blühen in diesen Wochen richtig auf: Endlich einmal es richtig krachen lassen können, nach Lust und Laune sich darstellen, was im „wirklichen“ Leben sonst nicht möglich ist. Andere wiederum können dem Faschingstreiben nicht so viel abgewinnen, freuen sich aber über die Unterhaltung und Geselligkeit, das gute Essen und Trinken. Jeder darf die Faschingszeit begehen, wie er will, solange man nichts Unrechtes anstellt. Da gibt es keine Norm.

Für alle aber gilt: Der Fasching ist nicht das ganze Leben. Genauso wie der Spaß und das Vergnügen gehört auch der Ernst und die harte Arbeit zum Leben; auch die Arbeit an sich selbst: Der zu werden, der wir idealerweise, christlich gesprochen: nach dem Bild Gottes in uns, sein könnten.

Mir kommen Fasching und Fastenzeit vor wie die zwei Seiten einer Medaille: Ich darf auf der einen Seite mein Leben genießen, wie es mir guttut, und bin andererseits eingebunden in Pflichten, aus denen ich nicht ausbrechen kann, ohne Schaden für mich und meine Mitmenschen. Der abrupte Übergang von der einen zur anderen Zeit ist mir ein Hinweis, dass beide zu einem erfüllten Lebengehören. Pfarrer Josef Dotzler

Neufahrn

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