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Feiertag im Kirchenjahr - die unbefleckte Empfängnis

Erster Advent
Pfarrer Josef Dotzler, Neufahrn
am
07.12.2017

Am 8. Dezember feiert die katholische Kirche das Fest der „ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria“, genannt „die unbefleckte Empfängnis“.

Dieser Tag steht im Zusammenhang mit dem Fest Mariä Geburt, das neun Monate später, am 8. September, begangen wird.

Mit der jungfräulichen Empfängnis Jesu durch Maria hat der Festtag am 8. Dezember nicht direkt zu tun. Der Beginn des Lebens Jesu im Schoß Marias wird gefeiert am 25. März, neun Monate vor Weihnachten, mit dem „Fest der Verkündigung des Herrn“.

Weil Maria die Mutter Jesu werden sollte, darum musste sie vom ersten Augenblick ihres Lebens an, eben seit ihrer Empfängnis durch ihre Mutter Anna, frei gewesen sein von jeder Sünde; nicht nur von einer persönlich begangenen, sondern auch von jener Sünde der Welt, in welche die ganze Menschheit hineinverwoben ist.

In der lateinischen Sprache heißt diese Freiheit von aller Sünde „immaculata“ – „ohne Makel“. Die gewohnte deutsche Bezeichnung als „unbefleckte Empfängnis“ halte ich für problematisch: Ist denn jede andere menschliche Empfängnis „befleckt“?

Es mag wirklich Situationen geben, in denen ein dunkler Schatten über dem Anfang eines neuen Lebens liegt, etwa der Egoismus eines Partners oder gar Gewalt. Aber grundsätzlich ist es die Erfüllung des Schöpfungsauftrags Gottes, dass Mann und Frau gemeinsam Kindern das Leben schenken in einem auf Dauer angelegten Zusammengehören. „Seid fruchtbar und vermehrt euch, bevölkert die Erde“ (1. Buch Mose, Kap. 1, Satz 28), sagt Gott in dem Schöpfungsgedicht auf der ersten Seite der Bibel. Dem göttlichen Auftrag zur Weitergabe des Lebens in einer verantwortlichen Weise zu folgen, darin ist überhaupt nichts Befleckendes.

Wodurch wird denn ein Mensch „befleckt“? Alles, was aus einem bösen Herzen kommt, das macht einen Menschen unrein, hat Jesus gesagt (Markusevangelium, Kap. 7, Satz 15). Er nennt als Beispiele u. a. auch die Habgier und die Verleumdung. Das „Befleckt-Werden“ vor allem oder gar allein auf die Sexualität zu beziehen, das wäre eine die Botschaft Jesu verfälschende Engführung.

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