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Lebenseinstellung

Im Festhalten gewinnt man nicht das Leben

Goldbarren
Pfarrer Alexander Aulinger, Pfarrverband Straßkirchen
am
11.10.2018

„Was muss ich tun, um das ewige Leben zu erlangen?“ Dahinter steckt die Sehnsucht nach einem geglückten Leben.

Die aller Fragen wird heute Jesus von einem jungen Mann gestellt: „Was muss ich tun, um das ewige Leben zu erlangen?“ Dahinter steckt die Sehnsucht nach einem geglückten Leben. Trotz allem Reichtum stellen wir doch fest, dass wir nicht glücklicher werden. Wir leben in einem Land mit einem sehr hohen Lebensstandard. Und dennoch scheint es, dass die Menschen mehr und mehr unzufriedener werden.

Wie das Leben gewinnen? Sie kennen sicher das Märchen vom „Hans im Glück“. Es erzählt von Hans, der als Lohn für sieben Jahre Arbeit einen kopfgroßen Klumpen Gold erhält. Auf seinem langen Weg nach Hause tauscht er ihn gegen ein Pferd, dann gegen eine Kuh, die Kuh gegen ein Schwein, dieses gegen eine Gans und dann gegen einen Schleifstein und einem einfachen Feldstein. Dieser fällt ihm dann noch in einen Brunnen, als er trinken will. Was er nun eintauschte, war die Gabe der Freiheit, wie er meinte.

So wie dem Hans im Glück geht es uns heute mit der Geschichte des Glaubens: Mit der Taufe wird uns der Goldklumpen in die Hand gelegt und was machen wir daraus? Viele werfen ihn weg, tauschen ihn ein und merken auf einmal, dass es ohne ihn auch geht. Wir sehen ja, wie schnell man Stück für Stück aufgibt, was einst zum gelebten Glauben gehörte: Den Rosenkranz, das Tischgebet, den regelmäßigen Kirchgang. Auf das allein, so sagt man sich, kommt es ja nicht an. Ja, im Einzelfall wohl nicht, aber in der Summe dann eben doch, wenn man am Ende so gut wie gar nichts mehr zur Hand hat, was den Inhalt unseres Glaubens betrifft. Manchmal ist es nicht einmal mehr das Vaterunser oder das Wissen um die wichtigsten christlichen Feiertage.

Hans im Glück will davon erzählen, dass Klammern an Besitz den Menschen nicht glücklicher macht. Im Festhalten allein gewinnt er nicht das Leben. Im Gegenteil. Der Weg zum Leben ist ein Weg, auf dem man einiges und am Ende alles hinter sich lassen muss. Nichts kann man mitnehmen. Das letzte Hemd hat keine Taschen. Aber immer wird es um die Frage gehen: Was muss ich lassen, um frei zu werden, um glücklich zu sein, um das Leben zu gewinnen, auch einmal das ewige.

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