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Glaube

Fröhlich seines Weges ziehen

Strasse
Dekan Thomas Guba, Bayreuth-Bad Berneck
am
05.07.2018

Gott ist es, der uns den Weg fröhlich ziehen lässt. Er begegnet uns, richtet uns neu aus, wenn wir ihn lassen.

Es klingelt eines Freitagnachmittags an der Pfarrhaustüre. Eine Aussiedlerfamilie steht vor der Türe. „Wie ich ihnen helfen kann“, frage ich sie. „Unser Neffe hier fliegt morgen zurück nach Kasachstan, aber er will vorher getauft werden“. Was einem da als Pfarrer alles durch den Kopf geht! Taufunterricht wäre gut! Ein Taufzeuge müsste her! So schnell kann das alles doch gar nicht gehen?

Eine biblische Geschichte, die in der Evangelischen Kirche am kommenden Sonntag auch Predigttext ist, fiel mir ein. Die Geschichte vom Kämmerer aus Äthiopien. Da wird Philippus einfach an die Straße von Jerusalem nach Gaza geschickt. Ein reicher Mann, der Kämmerer aus Äthiopien, kommt dort vorbei und liest in einer Schriftrolle Dinge, die er nicht versteht. Philippus legt ihm die Schrift aus und dann will der Äthiopier getauft werden, was Philippus auch tut.

Genau in diesem Moment kam mir also Philippus in den Sinn. Was soll ich denn dagegen haben, wenn dieser Mensch aus Kasachstan, kein reicher Mann, die Taufe empfangen möchte? Ich kann sie ihm nicht verweigern, so schoss es mir in den Sinn.

Also habe ich mich noch einmal vergewissert, dass er all das, was ich ihm gesagt habe, verstanden hat und wir gingen hinüber in die Kirche. Meine Frau fungierte als Taufzeugin. Und ich bin mir sicher, dass diese Entscheidung gut und richtig war, denn dieser Mensch tat das gleiche wie der äthiopische Kämmerer: „Er zog seine Straße fröhlich“, so heißt es in Apostelgeschichte 8, 39.

Ich habe den Menschen nie mehr gesehen, ich weiß nicht, wie es ihm ergangen ist. In Erinnerung werde ich diese Begebenheit aber immer behalten, denn das ist doch das Entscheidende: Dass wir eine Glaubenserfahrung in unserem Leben machen, darauf vertrauen, dass sie gut und richtig war und fröhlich unseren Weg weitergehen.Gott ist es, der uns den Weg fröhlich ziehen lässt. Er begegnet uns, richtet uns neu aus, wenn wir ihn lassen und lässt uns fröhlich unsere Straße ziehen. Mehr braucht es nicht. Und genau das wünsche ich Ihnen, dass Sie ihre Wege fröhlich gehen, gerne in Rückerinnerung an Ihre Taufe. Sie sind Gottes Kind!

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