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Glauben und Unglauben

Der Glaube überwindet Unglauben

Kirche und Glauben
Kirchenrat Reiner Schübel
am
05.10.2017

München - Glaube und Zweifel sind nicht einfach Gegensätze; Glaube ist Bitte um Überwindung des Unglaubens. So entsteht ein Vorbild für die Jünger und für uns.

Männer reden nicht über Gefühle oder Ängste, sie reden vor allem nicht über ihren Glauben. So will es das Klischee. Markus erzählt eine andere Geschichte, eine Vater-Sohn-Geschichte. Sie handelt von großer Sorge und hohen Erwartungen, von harscher Kritik, enttäuschter Hoffnung und verzweifeltem Glauben. Sie zeichnet das Bild eines Vaters, der umgetrieben wird von der erschreckenden, rätselhaften, todesbedrohlichen Krankheit seines Kindes; heutige Ärzte würden wohl Epilepsie erkennen. Sie zeichnet das Bild von Jüngern, die helfen wollen, aber nicht können. Und sie zeichnet zum Glück ein Bild Jesu, der an der Not, am Versagen, am Unglauben der Menschen leidet, sich aber nicht verbittert zurückzieht. Vielmehr wird Jesus erkennbar als derjenige, der sich erbarmt, eingreift und heilt und der all seine Fähigkeit einsetzt, um Barmherzigkeit zu erweisen.

Angesichts der Ohnmacht auslösenden Krankheit seines Sohnes ist es nur verständlich, wenn der Vater nicht in triumphaler Gewissheit eines unerschütterlichen Vertrauens auf den Wundertäter hofft. Ja, es ist verständlich und menschlich, dass er in zweifelnden Fragen und mit größter Intensität um die Befreiung seines Sohnes von der dämonischen Qual bittet: „Wenn du kannst, erbarm dich unser und hilf uns!“

Jesus versagt sich nicht. Er geht auf die Bitte und auf den Zweifel ein. Dadurch löst er bei ihm die Erkenntnis seines eigenen Glaubens und seines Unglaubens aus. Seines Unglaubens, der ihn an Jesus zweifeln ließ. Und seines Glaubens, der ihn Jesus um die Überwindung seines Unglaubens bitten lässt „ich glaube, hilf meinem Unglauben!“. Der Vater spricht es aus. Glaube und Zweifel sind nicht einfach Gegensätze; Glaube ist Bitte um Überwindung des Unglaubens. So entsteht ein Vorbild für die Jünger und für uns: ein Vater, der mit seinem kranken Kind leidet und alles tut, damit es gesund wird; ein Mann, der die Initiative ergreift und seine Grenzen erkennt; ein Mensch, der um seinen Unglauben weiß und mehr noch um Gottes Möglichkeit, den Zweifel in Hoffnung zu verwandeln (zu Mk, 9, 14-29).

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