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Glaube

Gottes Gegenwart - nicht fassbar und doch nah

Löwenzahn
Pfarrer Erich Eyßelein,Prichsenstadt
am
08.11.2018

Der Schöpfer hat es so geordnet, dass unser Leben einen Anfang und ein Ende hat.

Aus meinem eigenen Bekanntenkreis kenne ich die Äußerungen: „Lass mich doch in Ruhe mit deinem Gott! – Ich brauche Gott nicht. Ich lebe ganz gut, auch ohne ihn!“ Nun, die Geschichte des alttestamentlichen Hiob lehrt mich: So braucht nicht nur ein Zweifler reden oder einer, der sich mit dem „Gottvertrauen“ schwer tut. Hiob war fromm und hatte große Reichtümer. Er lebte glücklich und zufrieden mit seiner Frau und seinen 10 Kindern. Doch mit einem Mal bricht alles zusammen: Der Reichtum ist schlagartig verloren; ein Unwetter erschlägt die Kinder und deren Familien.

Hiob verliert schließlich alles und liegt todkrank am Boden. Seine klugen Berater bewegen ihn, an Gott zu zweifeln. Tatsächlich hat er die dunkle Seite Gottes kennengelernt. Hiob erkennt in den rätselhaften Unglücksfällen, dass ein frommes (gottgefälliges) Leben keine Garantie ist für ein Leben ohne Leid! Seltsamerweise fragt er nicht: „Womit habe ich das verdient?“ Natürlich versteht er Gott nicht mehr. Auch ihn treiben wohl Fragen und tiefe Zweifel herum, aber gerade nicht von Gott weg! Im Gegenteil: Er ringt mit diesem Allmächtigen und fragt schließlich „Was ist der Mensch? Er ist vergänglich!“ Bekannte Psalmworte gehen in dieselbe Richtung: „Der Mensch ist wie eine Blume, die blüht und duftet – wie schnell kann sie vertrocknen und absterben!“ Der Schöpfer hat es so geordnet, dass unser Leben einen Anfang und ein Ende hat.

Ich möchte von Hiob lernen, der diese Realität nicht verdrängt. Denn seine harte Erfahrung machen auch andere Menschen und müssen sie aushalten. Hiob verstummt nicht, sondern hat Mut zur Klage. Er wendet sich bewusst Gott zu: Warum dieses Leid an Körper und Seele? Der ehrliche Aufschrei gegen Gott bewirkt ein Wunder. Die Worte gehen nicht ins Leere. Dieser Hiob bekommt die Kraft, sich noch fester an Gott zu klammern.

Das Ringen mit dem rätselhaften Gott geht weiter bis heute. Fragen und Zweifel bleiben. Aber oft münden sie dann auch in neues Vertrauen, in Gottergebenheit: „Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir!“ Gott schenke dieses tiefe Vertrauen!

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