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Trost

Ich bin der gute Hirte

Hirte
Pater Dr. Rupert Hemminger
am
04.05.2017

St. Ottilien - Es gibt Bilder, die tun der Seele gut. Diese Bilder lassen mich zur Ruhe kommen, wenn ich sie vor mir sehe oder mir vorstelle. Zu diesen Bildern gehört das des Hirten, der seine Schafe weidet.

Das Bild des Hirten wirkt idyllisch und weckt in uns die Sehnsucht nach einem harmonischen Zusammenleben mit der Natur. Und doch muss das Bild des Hirten, der seine Herde weidet, noch eine andere Dimension besitzen, damit es der Seele so gut tun kann.

Vielleicht kommen wir diesem Moment näher, wenn wir uns dem Bibelwort zuwenden: Jesus Christus spricht: „Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe“(Joh 10,11). In diesem Ich-bin-Wort nennt Jesus sich selbst den guten Hirten. Er behauptet von sich, ein guter Hirte zu sein, der eine Beziehung zu seinen Schafen hat. Jesus spricht damit jene Dimension an, die das Bild des Hirten seit Jahrtausenden so ansprechend macht und es zum Gleichnis erhebt für eine religiöse Aussage: Gott ist wie ein Hirte, der sich um uns Menschen kümmert wie der Hirte um seine Herde. Das Bild des Hirten und der Herde rührt so eine Tiefenschicht unserer Seele an, greift die Sehnsucht auf nach Geborgenheit oder nach einer sicheren Wegleitung. So muss ein Hirte seiner Herde den Weg weisen, er muss die Schafe zusammenhalten, verlaufene zurückführen und sie vor Gefahr beschützen. Er muss sie zu den guten Weideplätzen bringen.

Der Hirte zieht mit den Schafen, seine Arbeit ist nicht getan, wenn die Sonne untergegangen ist. Er muss bei den Schafen bleiben. In gewisser Weise gibt er sein Leben für seine Schafe. Und so ist es keine Übertreibung, wenn Jesus von sich sagt: „Ich bin der gute Hirte“. Wenn Jesus von sich als dem guten Hirten spricht, der sein Leben gibt für seine Tiere, dann hebt er sich ab von den unguten Hirten, die ihren Beruf nicht als Lebensaufgabe, sondern nur als Broterwerb verstehen. Der Tagelöhner setzt nicht sein Leben ein, um die Herde vor Gefahr zu bewahren. Noch schlimmer sind die falschen Hirten, denen es nicht um das Wohl der Tiere geht, sondern um das eigene Vorwärtskommen.

Ganz anders Jesus. Er ist ein Hirte, dem seine Herde wichtiger ist als sein eigenes Leben.

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