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Naturgewalten

Der Hagelgottesdienst

Dieser Artikel ist zuerst im Bayerischen Landwirtschaflichen Wochenblatt erschienen.

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Hagel
© imago/Chromorange
von , am
06.07.2017

Rothenburg ob der Tauber - Man hat vieles versucht, um den Hagel fernzuhalten: Hagelraketen, Hagelflieger. „Warum nicht mit einen Hagelpfarrer?“, witzelte eine Bekannte, eine Bäuerin, als sie von dem Hagelgottesdienst hörte, den ich halten werde.

Der Hagelgottesdienst ist in dieser ländlichen Gemeinde seit zweihundert Jahren eine Tradition. Hagel war schon immer gefürchtet. Binnen Minuten kann eine Ernte für ein ganzes Jahr zerstört werden. In früheren Jahrhunderten war das noch verheerender als heute. Hunger und Not konnten die Folge sein. Auch heute ist ein großer Schaden für keinen Hof leicht zu verkraften.

„Kann ich mir dann die Hagelversicherungen sparen, wenn du den Hagelgottesdienst hältst?“, scherzte meine Bekannte weiter. Ich lachte zunächst mit. Gute Frage, überlegte ich. Wenn wir an die Wirksamkeit des Gebets glauben, wenn wir glauben, dass Gott unsere Gebete erhört, dann eigentlich „Ja!“.

Schließlich sagt Jesus, „Gott wird es euch geben, wenn ihr ihn um etwas bittet.“ Dann müsste doch ein Gebet gegen Hagel auch Schaden abwehren. Oder?

Dennoch, eine Garantie würde ich nicht geben. Die Menschen haben seit jeher die Erfahrung gemacht: Unwetter gehören zu dieser Welt, so wie sie ist. Gott hat die Welt erschaffen. Aber in ihr gibt es auch Gefahren. Auch wenn wir heute viel wissen über das Entstehen von Wetterphänomenen und die Vorhersagen immer genauer werden: Die letzten Geheimnisse der Natur bleiben uns verborgen.

Trotz aller Technik bleibt noch ein Risiko, das der Mensch nicht einschätzen kann. Schon im alttestamentlichen Buch Hiob kann man nachlesen, wie Gott sich nicht in die Karten schauen lässt. Dort werden die verschiedenen Naturphänomene hinterfragt. Kann der Mensch sie ergründen? „Nein, das allein liegt in Gottes Macht!“, lautet die Erkenntnis.

Aber Christen haben seit jeher auf Gottes Eingreifen und seinen Beistand gehofft. Die Vernunft und der Sinn für Realität lassen uns vielleicht zweifeln. Das Gebet ist aber der Ort, wo der Glaube hofft und zuversichtlich ist, dass Gott alles zu einem Guten wendet.

 

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