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Opfern

Mit dem Herzen sehen

Mutter Theresa Papst
Dekan i. R. Helmut Müller, Haundorf
am
18.01.2018

Im Gleichnis von der armen Witwe zeigt Jesus auf, dass das Geben nicht unbedingt an die Höhe der Spende gebunden ist.

Als die arme Witwe zum Tempel kommt und etwas in den Opferkasten legt, hört man ein winziges Klimpern. Die kleinste Münze, die es gibt, hat sie wohl wieder hineinfallen lassen und damit dokumentiert, was für ein gänzlich bedeutungsloses Wesen sie ist. Es lohnt sich gar nicht, weiter auf sie zu achten.

Da gibt es andere, die die Stufen heraufkommen: Ein ganz anderer Schritt ist das gleich, eine ganz andere Körperspannung, von der Kleidung gar nicht zu reden. Und als sein Opfer im Kasten ankommt, hört sich das auch anders an. Das ist überhaupt ein ganz anderer Mensch, den kann man nicht übersehen und ein bewunderndes Raunen ist durch die Reihen gegangen.

Aber die kleine Witwe mit ihrem winzigen Scherflein? Jesus sieht die geringschätzigen Blicke der Leute und sagt: „Ihr irrt, diese Frau hat am meisten von allen gegeben, sie ist die Größte und verdient am meisten Bewunderung.“

„Was?! Wie kannst du sowas sagen?!“ protestieren sie. Aber Jesus hat einen ganz anderen Blick auf die Menschen. Er sieht auch diese Frau in der Tiefenschärfe seiner Liebe und sieht ihre Trauer, ihre Einsamkeit, ihre Armut.

Er nimmt wahr, wie schwer das für sie sein musste, die wohl schönste Landschaft auf ihrem Lebensweg unwiederbringlich verlassen zu müssen. Er spürt, wie verloren sie sich jetzt vorkommt, wie fremd, im pulsierenden Leben der anderen. Und bewundert an ihr, wie viel sie von dem wenigen, was ihr noch geblieben ist, in den „Gotteskasten“ legt – als Spende, als Dankesgabe an diesen unbegreiflichen und manchmal auch so ungerechten Gott.

„Warum hat Gott ausgerechnet mir meinen Mann genommen, meine Liebe, mein Leben? Was habe ich denn getan, dass er mich so bestraft?“ So sieht Jesus sie an. Und bewundert sie. Und stellt sie den eingebildeten Frommen seiner Zeit als Vorbild hin: „Diese Witwe hat am meisten gegeben von allen, die heute zum Tempel gekommen sind.“ Nämlich alles, was ihr irgend möglich war (Markus 12, 41 – 44).

Oder um es mit den Worten von Mutter Theresa zu sagen: „Nicht wie viel jemand gibt oder tut ist entscheidend, sondern wie viel Liebe, wie viel Aufrichtigkeit, wie viel Glaube wir in unser Tun und Geben legen“.

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