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Zum Sonntag

Kirche gründen

Laien in der Kirche
Pfarrer Hermann Ehle, Krumbach-Niederraunau
am
22.02.2018

Dieser Tage fiel mir ein neues Buch in die Hände: „Gründer-Handbuch“. Ich war fasziniert.

Eine Mega-Chance für die Kirche heute, die überall mit Problemen ringt! Von „Start-ups“ ist da die Rede: Neue kreative Initiativen auch für die Kirche!

Ob das nicht nur die Lösung der Probleme in der Industrie wäre? Weltweit sogar für die Kirche! Beide – Industrie und Kirche – haben die Aufgabe, bestimmte Produkte anzubieten: Die Wirtschaft für den materiellen Bedarf, die Kirche das Evangelium für den seelischen Bedarf? Warum sollten Kirchen ihre Aufgaben nicht genauso auf die Grundsätze der Betriebswirtschaftslehre gründen?

Doch je länger ich darüber nach-dachte, desto mehr kamen mir Zweifel. Stöhnen nicht hierzulande allein schon die Landwirte unter der Last betriebswirtschaftlicher Vorgaben? Und hat es nicht Jesus selber bereits völlig anders angefangen? Jesus war doch nur einfach unter den Menschen da – ohne Geld und Sandalen, nur mitten unter den Leuten im armseligen Galiläa. Seine Methode war: Stets mit den Betroffenen selber zusammen agieren.

Bei meiner Arbeit in der Katholischen Landjugendbewegung und auch in der christlichen Arbeiterjugend haben wir nach dieser Strategie gearbeitet: Ganz unten anfangen, an der „Basis“, und nach dem uralten Prinzip Sehen – Urteilen – Handeln.

Das alles muss mit der Kirche heute und auch in Zukunft genauso passieren. Denn bald wird es kaum noch Pfarrer in unseren Dörfern geben, daneben aber immerhin ein großes Heer von „Laien“ – die Getauften und Gefirmten. Genau für diese hat doch das 2. Vatikanische Konzil von 1962 bis 1965 die Tore weit aufgetan! Befreit von der Überlast einer 2000 Jahre alten Tradition, direkt die Wege zu den Menschen und ihren Nöten gehen. Das war die „Kirchengründung“ Jesu und seines Evangeliums!
Ob das geht? Überall entstehen hierzulande bereits in den „pfarrerlosen“ Gemeinden kleine Gruppen, wie etwa ein „Erzähl-Café“ oder „Hauskirchen“. Oder gar die vielen Vereine wie etwa unsere „selbststeuernde“ Jugendgruppe, Projektgruppen oder sogar Stammtische. Gemeinschaften jedenfalls – vielleicht sogar irgendwie im Namen des Herrn!

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