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Mut und Hoffnung

Eine Krise als Chance nutzen

Krise
Pfarrer Walter Engeler, Landwirtschaftliche Familienberatung der ELKB Hesselberg
am
04.07.2019

In gerade scheinbar ausweglosen Situationen nach vorne blicken, sich aufmachen und um Unterstützung bitten.

Manchmal steht man da und möchte die Zeit zurück drehen: ein verletzendes Wort, eine falsche Entscheidung, eine Unachtsamkeit. Wenn man es doch ungeschehen machen könnte! Ich nehme an, Sie kennen solche Momente auch.

Die Bibel kennt solche Erfahrungen. Die wohl berühmteste Geschichte in diesem Zusammenhang ist das Gleichnis vom verlorenen Sohn (Lk. 15). Der junge Mann wollte in die Welt hinaus ziehen, sein „Glück machen“. Deshalb hat er sich sein Erbe ausbezahlen lassen und zog los. Dann kamen Tiefschläge, Niederlagen und Misserfolge. Finanziell und kräftemäßig am Ende, nun nicht mehr Unternehmer sondern Zeitarbeiter, saß er bei den Schweinen, die er zu hüten hatte, und sinnierte vor sich hin: Wenn ich doch die Zeit zurückdrehen könnte; wörtlich: „Wie viele Tagelöhner hat mein Vater, die Brot in Fülle haben, und ich verderbe hier im Hunger!“ (Lk. 15, 17).

Nein, die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen! Das ist auch in der biblischen Geschichte nicht anders, aber sie macht Mut, gerade in scheinbar ausweglosen Situationen nach vorne zu blicken, sich aufzumachen und um Unterstützung zu bitten. Der verlorene Sohn wagt diesen Schritt. Er nutzt die Krise zur Umkehr, klopft bei seinem Vater an und erlebt das Unvorstellbare: Er wird dort herzlich aufgenommen.

Die Bibel möchte uns mit dieser Geschichte Mut machen. Sie sagt: Gott will nicht, dass Menschen verloren gehen. Er steht zu uns. Deshalb lohnt es sich, auch in scheinbar ausweglosen Situationen aktiv zu werden, Veränderung zu wagen, sich nicht selbst zu bemitleiden, sondern nach vorne zu blicken. Gott will nicht, dass Menschen verloren gehen. Deshalb hat er uns als soziale Wesen geschaffen, kommt uns in unseren Mitmenschen entgegen. Man muss nicht alles alleine schaffen! Man darf auf andere zugehen, um Hilfe bitten. Und wenn man spürt, dass man mit offenen Armen aufgenommen wird, dann ist das ein gesegneter Moment. Dann kann eine Krise, wie Max Frisch sagt, sogar „ein produktiver Zustand sein. Man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen“.

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