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Advent

Morgen geht es mir besser als heute

Altabt Dr. Odilo Lechner
am
15.12.2016

München - Karl Valentin hat einmal auf die Frage, wie es ihm gehe, geantwortet: „Danke sehr, besser als morgen“. Es ist die Antwort des Skeptikers, der auf jeden Fall nicht auf eine bessere Zukunft wartet.

Karl Valentin hat einmal auf die Frage, wie es ihm gehe, geantwortet: „Danke sehr, besser als morgen“. Es ist die Antwort des Skeptikers, der auf jeden Fall nicht auf eine bessere Zukunft wartet. Das gilt von der gesellschaftlichen Entwicklung, der Zukunft des Kosmos sowie vom persönlichen Leben. Auch der Landwirt überlegt im Winter, was alles in der Zukunft ansteht. Oft warten wir einfach ab und überlassen uns ablenkenden Beschäftigungen.

Advent ist dagegen nicht eine Zeit bloßen Wartens, sondern der Erwartung. Vor uns stehen die Propheten des auserwählten Volkes, die ihm in allen Bedrängnissen eine Botschaft der Hoffnung zusprechen, die Botschaft vom Kommen des Retters. Das Kommen des Erlösers, das wir an Weihnachten feiern, ist ein immer neues Kommen Gottes in unsere Welt.

Die weihnachtliche Botschaft ist freilich nicht die Kunde von einer machtvollen Erscheinung des Guten, von der Errichtung einer Gesellschaft, in der Frieden, Gerechtigkeit und Wohlstand herrschen. Der irdische Weg des Gottessohns endet in Ablehnung, Hass und Tod. Aber eben dies ist die Botschaft: Neues ist da mitten in der bedrohten Welt, die Liebe bleibt unbesiegbar und gibt Hoffnung für die Zukunft.

Die Botschaft der Engel von Bethlehem singt von der Herrlichkeit Gottes und vom Frieden für die Menschen. Unscheinbar und klein fängt es immer wieder an und gibt allen Hoffnung. Das Reich Gottes ist immer wieder wie ein Senfkorn, aus dem ein großer Baum wird (Lk 13,19) – wie es der Landwirt beim Säen und Ernten immer wieder erlebt.

Darum ist der Adventsruf unser Hoffnungsruf „Komm, Reich des Friedens und der Liebe“. Durch den Ruf „veni – komm“ verwandelt sich das Warten auf die Zukunft in Erwartung und Hoffnung. Das adventliche Rufen „komm“ wird aufgenommen in das Rufen nach Tod und Auferstehung des Erlösers in der pfingstlichen Erwartung „veni sancte spiritus – komm heiliger Geist!“

Was immer in der Welt auf uns zukommt, wir dürfen den Anfang des Kommens von Gottes Herrschaft in unserer Mitte erwarten. So wird unser Morgen besser sein als unser Heute.

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