Login
Zum Sonntag

Musik liegt in der Luft

Geiger
Pfarrerin Christel Mebert
am
24.05.2017

Bad Kissingen - Musik liegt in der Luft. Sie spielt beim Aufstellen des Maibaums und beim Maitanz, sie erklingt vom Obermain bis an den Tegernsee und sie lockt an warmen Tagen Straßenmusiker in die Fußgängerzone.

Mit einer Geschichte möchte ich Sie einladen mitzukommen – in Gedanken an einen außergewöhnlichen Ort, um eine besondere Musik zu hören.

„Es war an einem Montag vor einigen Jahren. Da spielte an einer New Yorker U-Bahn-Station zur Hauptverkehrszeit ein junger Mann eine Dreiviertelstunde lang sechs Stücke von Bach. Drei Minuten vergingen, bis ein Mann bemerkte, dass ein Musiker spielt. Er verlangsamte seinen Schritt und hielt Sekunden an, bevor er davoneilte, um seinen Zeitplan einzuhalten.

Ein paar Minuten später erhielt der Geiger seine erste Dollarspende: Eine Frau warf das Geld in die Kasse und eilte weiter. Wenig später lehnte sich jemand gegen die Mauer, um zuzuhören, aber der Mann schaute auf seine Uhr: keine Zeit. Die größte Aufmerksamkeit schenkte dem Geiger ein kleiner Junge. Seine Mutter zog ihn aber eilends fort.

In den 45 Minuten hielten nur sechs Personen an und blieben für eine Weile stehen. Circa 20 Menschen gaben ihm Geld. Er verdiente insgesamt 32 Dollar. Keiner wusste, dass dieser Geiger einer der besten Musiker der Welt war. Er spielte eines der schwierigsten Stücke, die je komponiert wurden, auf einer Geige im Wert von 3,5 Million Dollar.

Zwei Tage vor dem Spielen in der U-Bahnstation-New York wurde im Theater in Boston bei einem Konzert dieses Künstlers der Sitzplatz für durchschnittlich 100 Dollar verkauft. Das Spielen des Künstlers war ein Experiment. Im Konzept stand: Nehmen wir an einem allgemeinen Ort zu einer unpassenden Stunde die besondere Musik eines Talents wahr?

Das Fazit: Wenn wir nicht einmal die Zeit besitzen, anzuhalten und einem der besten Musiker der Welt zuzuhören, der die beste Musik spielt, die je geschrieben wurde, wie viele andere Dinge verpassen wir dann? Darum: Genießen Sie Musik, wo immer sie erklingt, lassen Sie sich berühren von den Tönen – denn Musik ist eine Gabe Gottes.

Pfarrerin Christel Mebert

 

Auch interessant