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Entstehen und Vergehen

Die Natur ist unser Lehrmeister

Lehrmeister Natur
Pfarrer Ludwig Scheiel, Gaissach
am
14.06.2018

Frühjahr und Sommer ist eine Zeit, in der sich die Natur mit all ihren Kräften wieder voll entfaltet.

Auch in der Bibel sind viele Geschichten, die von der Natur erzählen. Dabei wird die zerstörerische Kraft der Natur oder Kampf mit Unkraut und Weizen nicht ausgeklammert. Deshalb können diese Gleichnisse auch besonders für unser Leben sinngebend sein.

Nach einem gewaltigen Hagelschauer, wenn wir meinen, alles ist kaputt, beginnt die Natur mit voller Kraft aus dem Übriggebliebenen wieder Neues entstehen zu lassen. Nach einer Überschwemmung, wenn vieles zerstört wurde, beginnen Mensch und Natur wieder aufzuräumen und oft entsteht in kurzer Zeit strahlend Neues. Regelmäßige Überschwemmungen von Auenwäldern sind fruchtbare Düngung, nicht Vernichtung.

Auch der Unkraut- und Weizenvergleich Jesu ist für unser Leben befreiend und hoffnungsvoll. „Sollen wir das Unkraut ausreißen?“, fragen die Tagelöhner Jesus. Er antwortete: Nein! Lasst beides wachsen. Bei der Ernte wird ein anderer, nämlich Gott, das Gute vom Bösen trennen. Ich brauche als Mensch also nicht fehlerlos sein, das geht auch gar nicht. Meine schwachen Seiten gehören zu mir. Ich soll auch nicht am anderen rumnörgeln, versuchen ihn besser zu machen.

Dann gibt es noch das Gleichnis von den unterschiedlich fruchtbaren Böden. Auf manchen wächst gar nichts, auf anderen viel. Oft werden wir dazu ermahnt, wir sollten alles daransetzen, guter Boden zu sein. Das geht nicht. Ich muss mir klar werden, in mir gibt es Gutes und weniger Gutes. In dieser Spannung lebe ich und dem kann kein Mensch entfliehen. Das ist gut so, sagt Gott, nachdem er sein Schöpfungswerk betrachtete.

Betrachten wir jetzt in den Sommermonaten die Natur. Gehen wir mit offenen Augen und Ohren durch unsere Wälder und Wiesen. Wir werden die Kräfte der Natur spüren und manches Vergehen in ihr entdecken. Unser Leben wird ruhiger und zufriedener. Wir spüren: Ich brauche nicht der Stärkste, der Größte oder der Schönste zu sein. Jedes noch so kleine Teil der Natur erfüllt seine Aufgabe. Ich darf Teil des Ganzen sein.

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