Login
Berufswettbewerb

Nochmal einen draufgesetzt

Michael Schuhmann
Doris Pfaff
am
23.06.2017

Frammersbach - Michael Schuhmann aus Unterfranken ist bester landwirtschaftlicher Azubi. Für die Zukunft plant er, gefährdete Nutztierrassen auf dem eigenen Hof zu halten.

Den 2. Platz errungen hatte Michael Schuhmann im April, beim bayerischen Landesentscheid im Berufswettbewerb der Deutschen Landjugend in Kempten. Letzte Woche, beim Finale des Berufswettbewerbs in Mecklenburg-Vorpommern, setzte der angehende Landwirt aus dem Frammersbacher Ortsteil Habichsthal (Lks. Main-Spessart) noch einmal einen drauf: Unter 21 Teilnehmern in der Sparte Landwirtschaft I ging er auf Bundesebene als Sieger hervor.
Bestens gemeistert hatte der 19-Jährige alle Wettbewerbsaufgaben, sowohl im schriftlichen, als auch im praktischen Teil. So mussten die Auszubildenden etwa einen Getreideschlag auf Schädlinge und Krankheiten kontrollieren, sich im Team im Geschicklichkeitsfahren mit Mähdrescher und Traktor beweisen und die Futterration einer 650 kg schweren Milchkuh berechnen. Auch Allgemeinwissen war beim Wettbewerb gefragt, darunter etwa Daten zur deutschen Geschichte oder wie man einen Überweisungsträger der Bank richtig ausfüllt. Gut gelungen ist ihm außerdem die vorgegebene Präsentation zu bestimmten Themen, wie Michael schildert. Eines davon hieß: „Den Abschluss in der Tasche – Was dann?“
Bei allem Jubel über seinen ersten Platz erklärt der 19-Jährige bescheiden: „Die Vorbereitung für den Wettbewerb hat gepasst, denn die vorherigen Entscheide auf Kreis-, Bezirks- und Landesebene waren eine gute Übung. Ich war gut in Form, und ein Quäntchen Glück war natürlich auch mit dabei.“ Letzten Freitag – nach spannenden, erlebnisreichen und auch anstrengenden Tagen in Güstrow und Umgebung – wieder zu Hause im Spessart angekommen, wurde der Bundessieger von seinen Eltern und seinem jüngeren Bruder voller Freude und Stolz empfangen. Die Feier musste dann aber noch etwas warten: Schon viele Monate vorher hatten die Schuhmanns über das bevorstehende Wochenende einen Ausflug zu Verwandten in Oberbayern geplant. „Im Kreise der Großfamilie haben wir den Erfolg aber dort natürlich noch nachgefeiert“, blickt Michael freudig zurück.

Den dualen Weg in der Ausbildung gewählt

Am Montagmorgen musste der angehende Landwirt dann schon wieder los zu seinem Ausbildungsbetrieb der Familie Wehr-Ebert in Markt Remlingen (Lks. Würzburg). Unter der Woche wohnt der junge Mann dort im Haus seines Ausbilders Helmut Wehr. Das Unternehmen betreibt eine Bullenkälberaufzucht, Bullenmast und Ackerbau. „Mir macht die Arbeit auf meinem Ausbildungsbetrieb viel Spaß“, erzählt Michael. „Am liebsten bin ich draußen auf dem Feld oder bei den Tieren. Nur bei schlechtem Wetter gehe ich gelegentlich mal mit ins Büro meines Ausbilders.“
Seine Lehrjahre sind indes keine landwirtschaftliche Ausbildung im klassischen Sinn. Vielmehr hat der Habichsthaler den Weg des dualen landwirtschaftlichen Studiums  an der Fachhochschule Weihenstephan-Triesdorf eingeschlagen, der viereinhalb Jahre dauert. Vorausgestellt sind dem dualen Studium 15 Monate Praxiszeit, die Michael gerade absolviert. Ab Oktober wird er dann mit dem Studium in Triesdorf beginnen. Nach einem erfolgreichen Abschluss dieses Angebots hat er sowohl die Ausbildung zum Landwirt als auch den Bachelor in der Tasche.

Sein Ziel: Arbeit als Berater und Landwirt

Für seine berufliche Zukunft kann sich der 19-Jährige eine Beratertätigkeit vorstellen, etwa in einer auf landwirtschaftliche Produkte und Dienstleistungen ausgerichteten Firma. Auf jeden Fall will er aber dazu den kleinen elterlichen Nebenerwerb in seinem Heimatort ausbauen. Er hat den Plan, dort gefährdete einheimische landwirtschaftliche Nutztierrassen, wie das Gelbvieh, auch Frankenvieh genannt, zu halten. Bereits vor vier Jahren hat sich Familie Schuhmann Coburger Fuchsschafe angeschafft, eine ebenfalls gefährdete Nutztierrasse. 21 Schafe weiden derzeit auf eigenen und gepachteten Wiesen. Die Schafe haben alle Namen, sie heißen etwa Frieda, Lene und Emma. „Die Namen der Tiere sucht aber meine Mutter aus“,  schmunzelt Michael.
Schon Michaels Vater, Bernd Schuhmann, ein gelernter Schreiner, hat die Landwirtschaft nie ganz losgelassen, auch wenn sein Großvater den Betrieb vor knapp 30 Jahren eigentlich aufgegeben hatte. Und auch Michael hat die Leidenschaft für diesen Beruf gepackt. „Ich habe mich schon immer für Tiere und landwirtschaftliche Technik interessiert“, erzählt er begeistert. Einmal, so blickt sein Vater zurück, wollte er seinem Jungen das Schreinerhandwerk zeigen und nahm ihn mit auf eine Baustelle, um dort Türen zu montieren. Das „Passgenaue“ an diesem Beruf habe dem Michael aber gar nicht gefallen, lacht Bernd Schuhmann. Da finden Vater und Sohn zusammen deutlich mehr Freude daran, seit einigen Jahren als Hobby wenige Bienenvölker zu halten. Außerdem musiziert der Auszubildende neben seiner Arbeit sehr gerne – er spielt Posaune im Musikverein der Nachbargemeinde Wies­thal und engagiert sich zudem im eigenen Dorf als aktiver Feuerwehmann.

Auch interessant