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Auferstehung

Ostern – nicht zu fassen, aber wahr

Osterbrunnen
Dekan i. R. Helmut Müller Haundorf
am
18.04.2019

„Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist nicht hier. Er ist auferstanden."

Ich sehe sie vor mir, die drei Frauen, die ihr Liebstes verloren haben, und die es ans Grab zieht, früh am Morgen: Maria aus Magdala; Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome. Wie sie ihrem Toten Dank und Liebe erweisen wollen. Mit duftenden Ölen. Wie sie einander festhalten in ihrer Trauer, wie sie einander helfen auf dem schweren Weg. Ihre bewegten Gestalten sehe ich vor mir, ihre Gesichter nicht.

Ich sehe aber in die Gesichter von Trauernden, Verwitweten, die ich aus meiner Umgebung kenne. Die es zum Friedhof zieht. Ich sehe sie mit ihren Blumen, mit ihrem Gedenken am frisch aufgehäuften Grab, mit ihren stillen Gebeten gegen das Vergessen, gegen Sinn- und Hoffnungslosigkeit. Das sind nämlich ihre „wohlriechenden Öle“: ihre Liebe, ihr Dank, ihr Erinnern – wieder und wieder bringen sie auch in unseren Tagen all das ans Grab ihres geliebten Toten.

Wie die Frauen in der biblischen Ostergeschichte, die auf die in den Hang hineingeschlagene, mit einem schweren Stein verschlossene Grabkammer zugehen. Und bangen Herzens fragen: „Wer wälzt uns nur den Stein vom Grab, dass wir zu Jesus kommen und ihn salben können?“ Und dann sehe ich sie plötzlich taumeln, als sie in die offene Kammer blicken – die Leere! Und der Engel (als Stimme in Ihrem Herzen?) sagt: „Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist nicht hier. Er ist auferstanden. Seht die Stätte, wo sie ihn niedergelegt haben.“ Da prallen sie zurück. Fassen nicht, was geschehen sein musste. Wanken und fliehen in Furcht und Entsetzen. Später aber wächst Trost in ihnen. Und als andere Gefährten Jesu berichten: „Stellt euch vor, wir sind unserm Herrn begegnet – heute, auf unserem Weg fort von Jerusalem. Er lebt!“ Da beginnen auch sie an ein Wunder zu glauben: Das Wunder, dass Gott diesen einen, ihren Toten, in sein ewiges Licht gehoben hatte.

In diesem Osterglauben finden sie Trost. Und irgendwann können sie wieder lächeln, noch durch ihre Tränen wie durch einen Schleier. Und mit den andern zusammen singen: „Der Herr ist auferstanden, ist wirklich auferstanden – und mitten unter uns“.

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