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Verhalten

Probleme sehen und anpacken

Hinsehen Angst Verdrängen
Kirchenrat Reiner Schübel, München
am
15.03.2018

Wie stehe ich eine Krise durch, die mich schleichend vergiftet und in Schwermut stürzt?

Die lange Wanderung durch die Wüste des Volkes Israel wird von den Edomitern jäh gestoppt. Sie lassen die Israeliten nicht durch ihr Gebiet ziehen. Enttäuscht, dass sie kurz vor dem Gelobten Land aufgehalten wurden, beginnt das Volk Israel zu resignieren, zu jammern und zu klagen. „Da sandte der Herr feurige Schlangen unter das Volk; die bissen das Volk, dass viele aus Israel starben“ (4. Mose 21,4-9).

Ja, es ist doch so: Das Aufgeben, das Sich-Verweigern, das frustrierte Sich-treiben-Lassen verschlimmert die Lage nur. Es ist nachvollziehbar, schädigt aber vor allem einen selbst. Es ist wie ein Gift, das in den Körper dringt und alles lähmt. In der Geschichte der Wüstenwanderung erliegen viele diesem Gift der Schlangen. Aber die anderen, die das mit ansehen, besinnen sich. Sie stellen fest: Gott nimmt die Schlangen nicht einfach weg. Im Gegenteil: Mose soll sogar eine Schlange aus Kupfer herstellen und sie an einer Signalstange aufstellen. Jeder, der gebissen wurde und dann diese Kupferschlange anschaut, „der soll leben.“

Im Johannesevangelium sagt Jesus in seinem nächtlichen Gespräch mit Nikodemus: „Wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.“ Durch das Ansehen, das Vertrauen auf den Gekreuzigten werden wir das ewige Leben haben.

In der Geschichte von Mose und der Schlange geht es um Leben und Tod. Wie überlebe ich den Biss der Schlange? Wie stehe ich eine Krise durch, die mich schleichend vergiftet und in Schwermut stürzt? Nach dieser Geschichte nicht durch positives Denken, sondern durch das Bewusstmachen dessen, was mich quält. Nicht wegsehen und verdrängen – sondern hinsehen. Und hinaufsehen. Nicht gebannt bleiben durch das eigene Schicksal oder was man dafür hält. Sondern den Blick heben, um zu sehen, was Gott für mich tut – gerade auch durch den am Kreuz Erhöhten. Wir werden eingeladen, aufzublicken auf den, der das alles auf sich genommen hat für uns, der es durchlitten hat, der sein Leben losgelassen hat, damit wir leben können.

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