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Gerechter Lohn

Wie rechnet wohl Gott?

Pater Josef Stöckl
am
21.09.2017

München - Bei dem Evangelium am Sonntag steht ganz vorn: „Mit dem Himmelreich ist es wie …". Es will uns sagen, dass es keine gestuften Klassen im Jenseits gibt.

Gleicher Lohn

In der Landwirtschaft muss viel gerechnet werden, um Erfolg zu haben. Bringt es was, wenn ich mich am Evangelium (Mt. 20.1 – 16a) des kommenden Sonntags orientiere? Bei diesem Evangelium ist Gefahr, es sofort beiseite zu legen: „Total unbrauchbar heute! Gleicher Lohn für ungleiche Arbeit. Schön dumm, wer sich da noch länger plagt! Und dann noch dieser Gutsbesitzer – wie selbstherrlich der ist! Es schaut so aus: Er kann tun, was er will. Und so was serviert uns heute noch die Kirche!“

Bei einem zweiten, genaueren Hinschauen entdecke ich: Jesus will uns hier nichts sagen über Anstellung, Arbeitszeit oder gerechten Lohn. Würde er das meinen, würde er sicher sagen: „Gerechter Lohn für entsprechende Arbeit!“ oder „Die Arbeit muss die Würde des Menschen beachten!“

Wie komme ich darauf, dass das alles nicht Thema dieses Evangeliums ist? Bei dem Evangelium steht ganz vorn: „Mit dem Himmelreich ist es wie …“ Aus dem Zusammenhang sehen wir, dass es da um etwas anderes geht: Es geht um mein Mitmachen im Reiche Gottes, um meine Beziehung zu ihm. Da gibt es große Unterschiede, wann einem die Augen für den Glauben aufgehen. Einige sagen: „Von klein auf.“ andere „Seitdem ich mich selber einsetze.“ Andere kommen erst spät drauf durch einen Schicksalsschlag, manche am Sterbebett und manche erst, wenn sie vor dem Angesicht Gottes stehen. Das Himmelreich wird keine gestuften Klassen haben. Jeder erfährt den „vollen Lohn“. Vielleicht sagen Sie: „Wenn das so ist, dann reicht mir auch, noch im letzten Augenblick hineinzuschlüpfen.“ Dann verpassen Sie aber sehr viel. Denn ein Leben mit Gott hat eine ganz andere Tiefe und Fülle als ein Leben ohne Gott. Ein Leben ohne Gott läuft ins Nichts. Vergeben wir uns diese Chance nicht leichtfertig!

Und da ist noch der Lohn: „Jeder erhielt einen Denar“ (Vers 9b). Ein Denar war nicht eine Entlohnung, sondern eine Einheit, mit der jemand einen Tag leben konnte. Ein Denar bei Gott ist dann: Leben dürfen mit Gott – geborgen sein bei ihm – Erfüllung der tiefsten Sehnsucht. Der Glaube, das Mitmachen im Reich Gottes, enthält alles, was ein Mensch braucht. Überlegen wir: Ist nicht auch diese „Rechnung“ wichtig? Pater Josef Stöckl

München

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