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Wochenblatt-Stammtisch auf dem ZLF

Rezept für ein gutes Zusammenleben

Sophia Gottschaller
am
27.09.2016

München - Toleranz, Kommunikation und gemeinsame Ziele gehören dazu, wenn eine junge Frau auf einen Hof einheiratet. Damit das Zusammenleben klappt, ist die ganze Familie gefragt, wie beim Wochenblatt-Stammtisch auf dem ZLF deutlich wurde.

Wochenblatt-Stammtisch auf dem ZLF

Eine gängige Situation auf vielen Bauernhöfen: Der junge Landwirt übernimmt den Hof, er lernt eine Frau kennen, sie zieht zu ihm und beide heiraten. Dieser schöne Schritt in einer Beziehung ist aber vor allem auf Höfen oft nicht frei von Problemen. Denn die „Neue“ kommt in bestehende Strukturen und sieht sich mit den Gewohnheiten der Familie des Mannes konfrontiert. Wie Familien mit einer solchen Situation umgehen und zwischenmenschliche Probleme vermeiden können, wurde auf dem vierten Wochenblatt-Stammtisch unter der Moderation von Chefredakteur Sepp Kellerer erörtert.

Von ihren Erfahrungen, als sie auf den Hof ihres jeweiligen Mannes eingeheiratet haben, erzählten die Bäuerinnen Bettina Hanfstingl und Simone Miller. Beide Frauen kommen ursprünglich nicht aus der Landwirtschaft. „Auf einen Hof einzuheiraten ist eine sehr große Umstellung, an die man sich erstmal gewöhnen muss“, beschrieb Miller ihre Eindrücke. Hanfstingl bekräftigte dies: „Man kommt in einen bestehenden Haushalt und muss die eigenen Gewohnheiten mit denen der dort lebenden Menschen vereinen. Das ist gar nicht so einfach.“ Doch beide wurden gut von den Familien ihrer Männer aufgenommen. Ihr Tipp für ein gutes Zusammenleben? „Ich finde Kommunikation innerhalb der Familie am wichtigsten. Man sollte über alles, was einen beschäftigt reden können“, betonte Miller. Und Hanfstingel ergänzte: „Es geht die ganze Familie, auch die Verwandtschaft was an, wenn eine junge Frau auf den Hof zieht. Da sollte sich keiner ausnehmen!“

Viel Einfühlungsvermögen und die männliche Sichtweise zeigte bei der Diskussion Günther Felßner, Vizepräsident des Bayerischen Bauernverbandes. „Als Mann sollte man sich klar darüber sein, was ein solcher Schritt für eine Frau bedeutet“, rief er die Männer auf. Es würde der Beziehung zur Frau, aber auch der zu den Eltern helfen, wenn man die Frau nicht dazu auffordere, die Gewohnheiten der Familie zu übernehmen, sondern gemeinsam als Paar mit eigenen Zielen und Werten auftrete. Trotzdem sei es natürlich wichtig, Probleme mit der ganzen Familie zu besprechen. Als wichtigsten Punkt für ein harmonisches Zusammenleben sieht Felßner, als Paar gemeinsam auf dem Hof zu arbeiten und eine gemeinsame Vision zu haben.

Mit vielen zwischenmenschlichen Problemen ist Fritz Kroder in seiner Arbeit als Leiter der Landwirtschaftlichen Familienberatung konfrontiert. Er zeigte das System hinter den Einzelfällen auf: „Wenn eine Frau auf einen Betrieb kommt und einheiratet, treffen verschiedene Systeme aufeinander“. Daraus würden sich fast immer Probleme ergeben, da viele Männer von den Frauen erwarten, dass diese genauso sind wie seine Familie und sich in das bestehende System einfügen. Für das junge Paar sei aber wichtig, ein eigenes System zu entwickeln, welches in der „Ordnung der Liebe“ an erster Stelle stehen sollte. An zweiter Stelle kämen die Kinder, die Eltern an dritter Stelle. Mit solchen klaren Verhältnissen könne man gut auf einem Hof zusammen leben. „Wichtig ist, dass man tolerant ist. Es gibt in vielen Situationen oft kein Richtig oder Falsch“, betonte Kroder.

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