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Lebensgefühl

Ruhe finden am Abend

Sonnenuntergang
Pater Heinz Gerstle, München
am
12.07.2018

Abends, wenn der Lärm des Tages sich gelegt hat und es still wird, finden wir zu uns selber.

Liebe Leser, heute wünsche ich Ihnen als Erstes einen „Guten Abend!“ Das Wort „Abend“ geht auf das althochdeutsche Wort „äband“ zurück. Es ist der spätere Teil des Tages zwischen Arbeitsende und Nachtruhe. Die Sonne sinkt im Westen hinter dem europäischen Kontinent ins Meer. Da Europa von der christlichen Glaubenskultur geprägt ist, spricht man vom christlichen Abendland. Sonnenaufgang ist im Morgenland.

In meinem Heimatstädtchen saß man am Sonntagabend in der Weinwirtschaft bei einem Schoppen Wein und sang Volks- und Wanderlieder. Zum Abschluss immer das Lied: „Der Mond ist aufgegangen ... So legt euch denn ihr Brüder in Gottes Namen nieder. Gott lass uns ruhig schlafen und unsern kranken Nachbarn auch.“ Heute ist der Abend oft der einzige Treffpunkt mancher Familien beim Abendessen, Eltern und Kinder tauschen sich aus, was tagsüber los war.

Johannes berichtet in seinem Evangelium von einem abendlichen Gespräch zwischen dem theologischen Lehrer Nikodemus und Jesus. Solche Nikodemusstunden kennen wir auch, Glaubensgespräche bis in die tiefe Nacht hinein. Jesus feierte mit seinen Jüngern ein „Letztes Abendmahl“, das Erinnerungsfest des Dankes an Gott für seine Heilstaten. Wir Christen verbinden mit dieser Feier die Erinnerung an Jesus Christus und seinen Liebesdienst für uns. Wir tun das in der Eucharistie, im Abendmahl, besonders am Sonntag.

Abends, wenn der Lärm des Tages sich gelegt hat und es still wird, finden wir zu uns selber. Die Tagesereignisse ziehen vor unserem inneren Auge vorüber. Wir sind für das Gute und Schöne dankbar. Was morgen ansteht, wird bedacht. Das Gelungene und das, was nicht nach unserem Wunsch gelaufen ist, legen wir beim Abendgebet in Gottes Hände. Der uns das Leben gab, hält in Treue zu uns, gerade im Misslingen. Mit dem neuen Tag gibt er Mut zu einem neuen Anfang. Er will, dass unser Leben glückt. „Dem Herrn, der Jahr und Tag geschenkt, der unser ganzes Leben lenkt, sei Dank und Ehr gesungen.“ Das möge so sein bis zum letzten Abend, dem keine Nacht mehr folgen wird, sondern Gottes ewiger Sonntag.

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