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Zum Sonntag

Schöpfergeist

Gipfelkreuz
Pfarrer Ludwig Scheiel
am
24.08.2017

Gaißach - Sommerzeit, Zeit der Bergmessen, der vielen Gottesdienste in freier Natur. Menschen aus nah und fern nehmen daran immer wieder gerne teil. Wir fühlen uns Gott näher und ganz frei, wenn wir inmitten seiner Schöpfung seine Begegnung in Gebet und Liturgie feiern.

Auf der anderen Seite werden Gipfelkreuze und Feldkreuze immer wieder beschädigt. Es gibt Äußerungen, Kreuze hätten auf Bergen und am Wegesrand nichts zu suchen, sie würden die Religionsfreiheit der Menschen beeinflussen, das Christentum würde sich zu sehr in den Vordergrund rücken.

Selbst namhafte Alpinisten wie Reinhold Messner sind dieser Meinung. Moderne Technik wie WLAN und die Sender dazu sind aber notwendig, schließlich müssen wir überall hin vernetzt sein. Sendemasten, die neuen Berg- und Wegkreuze?

Die Berge waren früher Orte der Götter und Geister, die Menschen hielten respektvoll Abstand. Die Ehrfurcht war viel zu groß. Heute werden die Berge übersät mit Seilbahnen und Skiliften, ein Massentourismus ist entstanden. Gott wird vom Gipfel gestürzt. Dabei spüren und sehen wir doch gerade von unseren Gipfeln aus die unbändige Schöpferkraft, die hinter all dem steht, auf das wir bewundernd hinabblicken. Friedlich und klein liegt alles zu unseren Füßen. Auch in der heutigen hoch entwickelten und technisierten Welt können Menschenkräfte dies nicht zustande bringen.

Doch das gesellschaftliche Denken geht in eine andere Richtung. Die Menschen sind klug genug geworden, wir brauchen Gott nicht mehr. Alles ist habbar und machbar, die wissenschaftliche Entwicklung löst all unsere Probleme, es gibt keine Grenzen mehr, alles steht unerschöpflich zur Verfügung. Ein Sturz vom Gipfel ist oft tödlich. Wenn wir Gott vom Gipfel stoßen, tötet das nicht ihn, aber für uns kann es verheerend sein.

Klimazerstörung, Ressourcenausbeutung, Gier nach Geld und Macht, Menschlichkeit ade, Gott begraben! Der angeborene „Instinkt“ der Mitmenschlichkeit würde Leben gelingen lassen, ein Zuwiderhandeln schadet. Ich persönlich hoffe, dass noch lange Gipfelkreuze von unseren Bergen herab grüßen und Wegkreuze unseren Lebensweg begleiten.

 

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