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Zum Sonntag

Selig, die Frieden stiften

Pfarrer Hermann Ehle
am
31.08.2017

Krumbach - Am 25. September gedenkt das Katholische Landvolk jedes Jahr ihres Patrons, des heiligen Bruder Klaus von Flüe, der von 1417 bis 1487 im Schweizer Kanton Obwalden als Bauer, Ratsherr und Einsiedler gelebt hat.

In Klaus von Flüe konzentriert sich die gesamte Problematik des ausgehenden Mittelalters wie in einem Brennpunkt: Hunger, Not, Krieg, Ende einer alten Welt und das Heraufkommen einer neuen, gerade auch der Reformation. In schweren inneren und äußeren Konflikten hat er alles durchlitten und unaufhörlich nach einer Lösung gesucht. Tief mit der Erde, den Menschen und, das war das Entscheidende, mit Gott verbundenen, hat Klaus von Flüe sich wie in einer langen und schmerzhaften Psychotherapie heutiger Form ausgesetzt: Von abgrundtiefer Werdeangst durchgeschüttelt, ist er nicht ausgewichen, bis die Lösung und die Erlösung gefunden war. Man kann heute noch in der Pfarrkirche von Sachseln an seinem berühmten Meditationsbild mit den sechs Strahlen und ihren Szenen Christus in der Mitte sehen, wie er durch Kreuz und Prüfungen hindurch zur Auferstehung geführt wurde. Die Menschen kamen aus der gesamten Schweiz und aus dem damaligen Bistum Konstanz in Scharen zu seiner kleinen Kapelle am Hang des Melchtales und suchten Rat beim einstigen Ratsherrn und dem tief in Gott versenkten Bauern und Mystiker, der „weiterwusste“, wie etwa auf der Tagsatzung in Stans 1481.

C. G. Jung (1875 – 1961), der berühmte Psychologe und Begründer der Analytischen Psychologie, hält Nikolaus von Flüe für den „Prototyp eines modernen Mystikers jenseits der Spaltung in verschiedene Konfessionen und Religionsbekenntnisse“. Klaus von Flüe hat es geschafft, in seinem Inneren und Äußeren das zusammenzubringen, was zuvor durch einen tiefen Graben von Hass und Gewalt getrennt war: Frieden zu stiften!

Frieden stiften – eine der allerersten Aufgaben heute und weltweit bis zu erbitterten Konflikten, die jeden Tag die Nachrichten füllen. Friede: Eine zentrale Aufgabe für alle Menschen, zuerst in unseren Dörfern. Keine Spaltungen mehr! Alle an einen Tisch! Nur so geht‘s.

 

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