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Zum Sonntag

Solidarität mit allen Menschen

Pater Heinz Gerstle
am
08.12.2016

München - Johannes der Täufer sitzt im Gefängnis. Er hatte König Herodes gerügt, unrechtmäßig die Frau seines Bruders geheiratet zu haben. Die Rache dieser Frau kostete Johannes die Freiheit. Er hatte ein vernichtendes Gericht über das religiöse Regierungsestablishment in Jerusalem angedroht. Der nach ihm komme, werde es hinwegfegen. Nun erfährt er von seinen Jüngern: Jesus unternehme nichts dergleichen.

Teich

Jesus kritisiert zwar die religiösen Autoritäten, doch um die Bevölkerung zu befreien, die vom Heil Gottes im Tempel ausgegrenzt war, wählt er einen anderen Ansatz: Er solidarisiert sich mit ihnen. Er preist die Armen selig. Zu ihnen zählen Frauen, Kollaborateure, die mit den verhassten Römern zusammenarbeiten, Kranke, Aussätzige, die kleinen Leute, die wegen Unkenntnis des Gesetzes und seiner unzähligen Paragrafen das Gesetz gar nicht halten konnten. Den Blinden öffnet er die Augen – damit auch das Auge ihres Herzens, Jesus, ihren von Gott gesandten Heiland, zu erkennen vermag. Die Lahmen befreit er von ihrer Behinderung – so wird es ihnen möglich, die Wege Gottes in ihrem Leben zu gehen. Die Aussätzigen werden durch sein Wort heil – so können sie am Tempelkult wieder teilnehmen. Den Tauben öffnet er die Ohren – so können sie sich mit den Menschen verständigen und Gottes Wort vernehmen. Tote stehen auf – nicht nur zum normalen Leben, sondern ihre Herzen werden zum rechten Lieben erweckt.

Ihnen allen und den sozial Armen – all denen, die durch die religiösen Führer für eine Beziehung zu Gott abgeschrieben sind, gilt die frohe Botschaft von der Solidarität Gottes. Zum ersten Mal wird in der Religionsgeschichte ausnahmslos allen Menschen das Recht auf Menschenwürde verbürgt. Das heißt für die Jünger Jesu, mit allen Menschen solidarisch verbunden zu sein, besonders mit jenen, die es am übelsten getroffen hat.

Die Vorbereitungen auf das Weihnachtsfest laufen auf Hochtouren. Vergessen wir nicht: Es ist das Geburtsfest Jesu. Gott kommt auf leisen Sohlen in die Welt: als Kind. Schon darin solidarisiert er sich mit allen Menschen, die über die Erde gehen. Weihnachten – Fest der Solidarität.

Pater Heinz Gerstle

München

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