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Erlebnisort Bauernhof

Spaß und lernen

Petra Seitz, Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt
am
16.02.2017

München - Was wollen Familien auf einem Hof erleben? Was erwarten sie? Damit beschäftigt sich die Interessensgemeinschaft Lernort Bauernhof. Die Mitglieder bekommen Tipps für ihre Erlebnisangebote, planen zudem Neues und tauschen sich aus.

Kinder mit Huhn

Neue Ideen und Anregungen aus der Praxis und von Experten gab es für die Erlebnisbauern und -bäuerinnen auf der 2-tägigen Hauptversammlung der Interessensgemeinschaft Lernort Bauernhof – Erlebnishöfe in Bayern (siehe Beiträge auf den folgenden Seiten). Informativ, spannend und gesellig waren die beiden Tage, an denen sich vergangene Woche rund 50 Teilnehmer auf dem Stettenhof im Landkreis Dillingen an der Donau trafen. Neben der Vorstellung mehrerer Lern- und Erlebnisprogramme, hatte der Hauptreferent Thomas Janscheck für die Erlebnisbäuerinnen und -bauern einige Denkanstöße, aber auch ganz konkrete Vorschläge.

Kinder und Familien für die Natur begeistern

Der Zugang zur Natur, der Umgang mit Pflanzen und das Erleben der Natur sowie des jahreszeitlichen Rhythmuses der Natur sei vielen Kindern und Erwachsenen verwehrt,  meint Thomas Janscheck. Die Wahrnehmung der Natur – mit dem Aspekt erlebnisorientiert – war Schwerpunkt des Referats von Thomas Janscheck, das unter dem Titel stand „Was die Alten noch wussten und die Jungen wieder interessiert. Bauernregeln, Liedgut, Spiele und Symbolik der Pflanzen im bäuerlichen Jahreskreis erlebnisorientiert vermittelt“. Einen Zugang für Kinder und Erwachsene zur Natur und damit eine Idee fürs Jahresprogramm eines Erlebnishofes bietet der phänologische Kalender. Dieser teilt das Jahr in zehn Phasen oder Jahreszeiten ein, die sich nach den Entwicklungen in der Natur richten. Der Vorfrühling etwa beginnt mit der Blüte der Haselnuss oder des Schneeglöckchens. Anhand des phänologischen Kalenders können Kinder also die Natur im Jahresverlauf erfahren und lernen zu beobachten. Als Erlebnishof bietet diese Herangehensweise zudem die Möglichkeit landwirtschaftliche Ereignisse einzubeziehen, meint Janscheck. Mit Kindern kann man beispielsweise auch die Länge der Schatten oder den Regen messen und über eine Zeitraum beobachten.
Mit Bauernregeln und Lostagen können Programmpunkte interessant gestalten werden. Und es lassen sich Zusammenhänge im Jahresverlauf erklären. „An Mariä Geburt fliegen die Schwalben wieder furt“ – dieser Spruch zeigt, dass die Abläufe in der Natur abhängig von der Tageslänge und damit vom Licht sind. „Wenn Matthies kommt herbei, legt das Huhn das erste Ei.“ Auch der Legezyklus eines Huhns ist abhängig vom Licht und ab Matthies (24. Februar) gibt es nach der „Winterpause“ wieder die ersten Eier.
Auch die Symbolik der Pflanzen, die Namen der Pflanzen, die Verwendung von Pflanzen und Geschichten zu Pflanzen kennen viele Menschen nicht und viele finden diese Themen spannend. Deswegen sind das Ansatzpunkte für erlebnisorientierte Angebote. Außerdem gab der Referent zu bedenken, dass oft einfaches Wissen fehle, etwa, wann in Bayern Kirschen reif werden.
Auch über alte Obstsorten gibt es meist viel zu erfahren. Und das Beispiel alte Apfelsorten biete noch mehr: Diese Sorten werden oft von Menschen mit einer Apfelallergie vertragen. Für Höfe, die alte Apfel­sorten haben oder eine Streuobstwiese, kann das ein schönes Thema sein.
Insgesamt sieht Thomas Janscheck für die Höfe gute Möglichkeiten, um Themen und Bedürfnisse vieler Menschen abzudecken. Auf dem Bauernhof könne man Lebenswelten begleiten. Vielen Menschen fehle neben dem Bezug zur Natur heute jede Form der Ritualisierung und für einige Menschen stellt sich die Sinnfrage. Janscheck legt den Erlebnisbäuerinnen und -bauern nahe, dass sie den Stil, den sie leben und vertreten – die Erdverbundenheit – vermitteln. „Unsere Zeit braucht Haltung“, sagte er in seinem Referat und stellte immer wieder den Bezug zur Gesellschaft her.

Die Unternehmerin des Jahres 2016

Sonja Schreiber stellte ihren Alpakahof und ihr erlebnisorientiertes Angebot auf der Hauptversammlung vor. Sie wurde im vergangenen Herbst im Rahmen des Wettbewerbs „Bäuerin als Unternehmerin“ mit dem Staatspreis ausgezeichnet. Den kleinen elterlichen Hof wollte Sonja Schreiber unbedingt erhalten. Deswegen suchte sie nach einer sinnvollen Gestaltung und entschied sich für Alpakas. Mittlerweile gibt es die Zucht „Bayerwald Alpakas“, ein buntes Programm und einen facettenreichen Erlebnisbauernhof. Es ist die Begegnungscheune „establo“ entstanden, die für eine Busgruppe mit 50 Personen konzipiert ist, erklärt Sonja Schreiber, „in begrenztem Umfang“ ist Bewirtung möglich. Von der Scheune aus hat man Ausblick auf die Alpakas. Die Tiere selbst leben in einem Offenstall.
Die junge Frau erklärt, dass ihr wichtig ist, ein facettenreiches Angebot zu haben. Ihr Erlebnisbauernhof richtet sich an Kinder, Gruppen, Erholungssuchende und Interessierte. Viele ihrer Programmpunkte sind auf Anfrage buchbar. Es gibt beispielsweise Filzkurse, Enkel-Großeltern-Tage und viele Veranstaltungen und Angebote mehr. Sie hat Schulklassen auf dem Hof sowie Menschen mit Handicap.
Zum Hof gehört mittlerweile auch „die Wollstube“ mit Produkten und Kleidungsstücken aus Alpakawolle. Die Wollstube ist im ehemaligen Rübenlager untergebracht. Ihr Vortrag zeigte den Mitgliedern, was aus dem kleinen Hof entstanden ist und wie neue Ideen umgesetzt wurden.
Neben den interessanten Vorträgen und Referaten standen im Rahmen der Hauptversammlung natürlich auch die Arbeit und die Pläne der Interessensgemeinschaft Lernort Bauernhof selbst auf der Tagesordnung. Vorsitzende Lucia Bradl blickte auf das vergangene Jahr zurück: Großes Thema war die Neugestaltung der Homepage, aber auch die Präsentationen und Messeauftritte wie auf dem ZLF. Zudem wurde der Markenschutz für Lernort Bauernhof überprüft: Das Logo der IG an sich ist geschützt.
Auch über künftige Herausforderungen tauschten sich die Mitglieder aus: Beschlossen wurde, dass die IG auf Facebook startet, allerdings hier nur auf die eigene Internetseite verlinkt. So bleibt der Aufwand gering. Ob es künftig einen Film der IG über die Erlebnishöfe beziehungsweise die Erlebnisangebote geben soll, auch darüber tauschten sich die Mitglieder aus. Die Vorstandschaft soll sich nun damit intensiver befassen und informieren.

Gemeinsame Werbung lohnt sich

Dass man nicht nur ein gutes Angebot braucht, das auf das Interesse von Eltern und Familien stößt, sondern, dass es sich auch lohnt, dafür Werbung zu machen, zeigte Vorsitzende Lucia Bradl auf. Sie berichtet von den bisherigen Werbemaßnahmen in Familienmagazinen und Onlineportalen und konnte aufgrund ihrer Erfahrungen den Mitgliedern einige Empfehlungen geben. Zum einen sei es sinnvoll, dass sich Anbieter aus einer Region zusammenschließen und eine gemeinsame Anzeige gestalten. Wichtig ist, dass man darin Veranstaltungshinweise mit konkreten Terminen veröffentlicht. Kürzlich hat dies Lucia Bradl mit den Anbietern aus ihrer Region so gemacht und sie hatten Erfolg, nämlich eine Vielzahl an Anmeldungen. Zudem könne man auf Redaktionen zugehen, die dann manchmal auch einen Beitrag über Erlebnishöfe veröffentlichen, meinte sie.
Um solche gemeinsamen Aktionen durchzuführen, sind künftig Treffen der Mitglieder auf Bezirks-
ebene oder in den Regionen angedacht. Außerdem wollen sich so die Erlebnishöfe besser kennenlernen, sich austauchen und andere Betriebe besuchen.
Darüber hinaus wurde auf der Veranstaltung die Vorstandschaft entlastet und die Kasse geprüft. Auch Infos aus den Regionen, den Landwirtschaftsämtern, dem Ministerium und der LfL gab es für die Versammlungsteilnehmer.

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