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Zum Sonntag

Spiegelbild unserer selbst

Pfarrerin Christel Mebert
am
19.01.2017

Bad Kissingen - Das Jahr 2017 ist noch jung und wir können es gestalten.

Wasserspiegelung

Ein Wanderer kommt an das Tor einer fremden Stadt. Davor sitzt ein alter Torwächter. Bei ihm erkundigt sich der Fremde: „Wie sind denn so die Leute in dieser Stadt?“ „Wie waren sie denn dort, wo du herkommst?“ fragte der Torwächter zurück. Der Wanderer erwidert: „Sie waren grässlich eigensüchtig und voller Neid, und niemand ließ am anderen ein gutes Haar, und ständig wurde gestritten.“ „Nun“, sagte der Alte, „so ungefähr werden sie hier auch sein.“

Später kommt ein anderer Reisender und will ebenfalls wissen, was er von den Bewohnern in dieser Stadt zu erwarten habe. Und der Greis richtet wieder die gleiche Frage auch an ihn: „Wie waren denn die Leute dort, wo du herkommst?“ Der Reisende entgegnet: „Die waren meist freundlich, und einer half dem anderen, wo er konnte, und man fühlte sich wohl bei ihnen.“ Und wieder gab ihm der Wächter am Tor die Auskunft: „So ungefähr werden sie auch hier sein.

Mir sagt die Geschichte: Es hängt sehr von mir selbst ab, wie meine Umgebung auf mich wirkt. Bin ich unausstehlich oder sorge ich für ein freundliches Klima. Und ich hoffe, dass ich es immer wieder schaffe, geduldig mit den Mitmenschen umzugehen. Eben: „Wie man in den Wald hinein ruft, so ruft es wieder heraus. Die Geschichte ist für mich wie ein Sinnbild für das noch junge Jahr 2017. Auch da ließe sich fragen: Wie wird es sein? Es wird sein wie 2016: freundlich, aber ungewiss; bedrohlich und doch verheißungsvoll. Wie es wird liegt auch ein wenig an mir. Und da habe ich immerhin die Chance, mindestens einen Teil der Welt zu verbessern: mich selbst.

Wir gehen hinein in ein neues Jahr. Noch stehen wir am Anfang. Noch ist es wie ein unentdecktes, unerforschtes Land, in das wir aufbrechen, um es uns Tag für Tag anzueignen, um es zu gestalten. Wir werden es tun mit den guten und den tragischen Erfahrungen, die wir als schweres Gepäck oder leichte Flügel aus dem Vergangenen mitbringen.Wir dürfen hineingehen, um darin unerschrocken zu leben, als die, die wir sind. Als von Gott ermutigte und gestärkte Menschen, die ihm ihr Leben anvertrauen alle Tage, die da kommen werden.

 

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