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Berufswettbewerb

Das stärkste Team

Landwirtschaft II
Gabi Bertram
am
23.06.2017

Coburg - Die Oberfranken Axel Roth und Felix Wachsmann eroberten den Spitzenplatz in der Sparte Landwirtschaft II. Dabei war Teamarbeit gefragt.

Ein bisschen steht den beiden jungen Landwirten die Anstrengung noch ins Gesicht geschrieben. Axel Roth aus Coburg-Beiersdorf und Felix Wachsmann aus Gossenberg in der Gemeinde Großheirath (Lks. Coburg) sind die stolzen Sieger des Berufswettbewerbs der Deutschen Landjugend in der Sparte Landwirtschaft II. Sie zählen damit zu den deutschlandweit besten   Nachwuchskräften der Grünen Berufe.
Schon der Wettbewerb an sich war für beide eine spannende Herausforderung, dazu kam die lange nächtliche Fahrt zurück ins Coburger Land. Daheim angekommen wurden beide nicht nur von ihren Familien empfangen, sondern fast der ganze Coburger Kreisvorstand des Bayerischen Bauernverbandes und sogar Landwirtschaftsminister Helmut Brunner höchstpersönlich gehörten zu den ersten Gratulanten. Die Rückkehr der beiden Bundessieger fiel zufälligerweise mit einem Vor-Ort-Termin des Ministers auf dem elterlichen Hof von Axel Roth zusammen. „Das sind unsere Botschafter einer jungen, modernen, innovativen Landwirtschaft“, würdigte auch Brunner die hervorragenden Leistungen von Felix und Axel.
Beim Finale des Berufswettbewerbs in Mecklenburg-Vorpommern waren 15 Teams aus ganz Deutschland angetreten, wie Axel berichtet. Auf der Prüfungsagenda standen Berufsfachtheorie und praktische Aufgaben. Die jungen Landwirte, die sich in der Fortbildung befinden, mussten unter anderem einen Lehrling in der Einstellung eines Pflugs unterweisen oder einen Stall nach den Kriterien des Tierkomforts beurteilen. Die jungen Landwirte empfanden diese Aufgaben zwar nicht als Hürden, trotzdem waren sie in einer aufregenden Prüfungssituation. Dabei haben beide als Auszubildende schon mehrere Berufswettbewerbe auf Kreis-, Bezirks- und Landesebene für sich entscheiden können.
Die beiden jungen Männer kennen sich schon länger. Aber seit etwa sechs Jahren, als Axel und Felix in der Berufsschule in Coburg in einer Klasse waren, gehen sie auch beruflich gleiche Wege: Landwirtschaftsgehilfen, Staatlich geprüfte Wirtschafter für Landbau, derzeit sind sie in der Meisterausbildung, die im März 2018 endet. Ab September 2017 wollen beide die Höhere Landbauschule in Triesdorf besuchen und diese mit dem Abschluss als Agrarbetriebswirte absolvieren. Axel hat zwischendurch ein Fremdlehrjahr im Zuchtzentrum Gleichamberg im Nachbarbundesland Thüringen absolviert. Eine Erfahrung, die er nicht missen möchte, zumal hier andere Größenordnungen als auf dem elterlichen Hof zu bewältigen waren. Das Agrarunternehmen im Osten Deutschlands hat fast zehn Mal so viel Hektar in der Bewirtschaftung und fünfmal so viele Milchkühe.

Der Berufswunsch war schon immer Landwirt

Felix und Axel sind leidenschaftliche junge Landwirte. Auf den elterlichen Höfen, jeweils Milchviehbetriebe, aufgewachsen, gab es für keinen von beiden jemals einen anderen Berufswunsch. „Eine handfeste Arbeit, Natur, Tiere, die immer wieder neuen Herausforderungen der Jahreszeiten, der Technik und der Bewirtschaftungsmethoden“, sagt Felix, „das fasziniert mich bis heute.“
Auch bei der Bewirtschaftung der elterlichen Betriebe packen die beiden jungen Landwirte kräftig mit an. Dabei steht für Axel und Felix an erster Stelle, dass es ihren Kühen gut geht. Das ist schließlich das Kapital des Landwirts, und nur gesunde und kräftige Tiere geben auch gute Milch. In diesem Sinne verwahren sich die jungen Landwirte vor haltlosen Vorwürfen unbedarfter Kritiker. Genauso, wie auch der Boden im Einklang von Ökonomie und Ökologie bewirtschaftet werden muss, um Erträge zu bringen. Diese Mentalität haben die Landwirtsfamilien Roth und Wachsmann ihren Sprösslingen mit auf den Lebensweg gegeben. So muss den Eltern auch nicht bange sein, ob ihre Höfe weiter geführt werden. Auch wenn es wohl noch ein paar Jahre dauert, so stehen Felix und Axel als selbstbewusste, gut ausgebildete und engagierte junge Landwirte bereit. „Ich denke da nicht nur an Expansion“, blickt Axel in die Zukunft: „Es gibt auch andere Möglichkeiten, wie man wachsen, sich spezialisieren oder die Wertschöpfung des Betriebes steigern kann.“ Und Felix fügt seine Pläne für die Zukunft hinzu: „Ich bin beruflich für jede Entwicklung offen. Es braucht auch nicht immer das klassische Berufsbild eines Landwirts sein. Die Ansprüche an die landwirtschaftliche Produktion werden höher und da muss man nicht unbedingt den alten Stiefel weitermachen.“

Spaß an der Arbeit und in der Freizeit

Besonders wichtig bei der Arbeit im Stall und auf dem Feld ist: Landwirtschaft muss auch Spaß machen. Das hat Harald Roth, der sich im Verband landwirtschaftlicher Meister und Ausbilder und für landwirtschaftliche Fortbildung engagiert, seinem Sohn mit auf den Weg gegeben. Und natürlich arbeitet auch ein Landwirt nicht an 365 Tagen im Jahr. Axel und Felix engagieren sich in der Landjugend, wo das Miteinander und die Gemeinschaft im Vordergrund stehen. Sie bringen sich zum Beispiel beim Zeltfasching der Landjugend in Meeder ein oder auch in der Feuerwehr Gossenberg, wo Felix seit seinem 14. Lebensjahr mit dabei ist.
Und zurück in Bayern, nach all der Anstrengung und Aufregung – von der intensiven Vorbereitung auf den Bundesentscheid über den Wettstreit selbst bis hin zum Händedruck von Minister Brunner – war dann schließlich doch noch eine kleine Feier für die beiden Sieger fällig.

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