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Zum Sonntag

Stille und Einkehr

Dekan i. R. Helmut Müller
am
24.11.2016

Haundorf - Gedanken über die Gottesmutter Maria: Am letzten Tag im Kirchenjahr stehe ich vor dem Marienaltar von 1484 in der Feuchtwanger Stiftskirche. Ab Sonntag, dem 1. Advent, wird der Schrein mit der Himmelskönigin Maria wieder geschlossen sein, wie in jedem Jahr während der sieben Passions- und der vier Adventswochen – seit alters kirchliche Fastenzeiten, in denen der Gemeinde der Verzicht auf den wunderschönen geöffneten Altar zugemutet wird: als kleines äußeres Zeichen der Stille und Einkehr, der inneren Vorbereitung auf das frohe Fest.

Sonnige Herbstlandschaft

Ich betrachte Maria, wie sie das Kind auf dem linken Arm hält, das Haupt etwas zur Seite wendend, dorthin, von wo aus uns ihr Kind anschaut. Unter ihr die Mondsichel und ein dunkler Kopf, vielleicht das Böse, Unheimliche symbolisierend. Über ihrem Haupt schweben zwei Engel, die ihr die Krone aufsetzen: ihr, der Himmelskönigin.

Doch war Maria das wirklich, eine Königin? War sie in Wirklichkeit nicht die junge Frau, die ein uneheliches Kind erwartete? Die hochschwanger zur Volkszählung von Nazareth nach Bethlehem wandern musste? Die ihr Kind unter erbärmlichen Umständen zur Welt bringen und es vor dem grausamen Herodes nach Ägypten retten musste? Die sich später schwer um ihren Sohn sorgen und seinen fürchterlichen Tod ertragen musste? Was soll an so einem Leben, an so einer Frau königlich gewesen sein? Doch offensichtlich nichts, oder?

Nun, die Bibel erzählt es: Als ihr durch den Engel Gabriel ausgerichtet wird, dass sie den Sohn Gottes, den Erlöser, empfangen habe und zur Welt bringen werde, erschrickt sie furchtbar: „Ich? Ich ahnungsloses junges Mädchen? Das kann überhaupt nicht sein.“ Um dann aber doch ihr kraftvolles Bekenntnis und Versprechen abzugeben: „Siehe, ich bin des Herrn Magd. Mir geschehe, wie du gesagt hast.“

Dass sie dieses vertrauensvolle „Ja“ gesagt hat und ihm ihr ganzes leidgeprüftes Leben lang treu geblieben ist – das, finde ich, ist das Große, das Königliche an ihr. Dafür setzen ihr die Engel, wie am Feuchtwanger Altar, symbolisch die Krone auf. Und davon heißt es in der Bibel: „Bleib getreu bis in den Tod, so will ich Dir die Krone des Lebens geben.“ (Offenbarung 2, 10).

 

Haundorf

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