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Nächstenliebe

Tag der Pflege

Krankenpflege
Pfarrerin Christel Mebert, Bad Kissingen
am
09.05.2018

In jedem Kranken und Leidenden trifft man Christus selbst. Das ist der Grundsatz seiner christlich motivierten Pflege.

Rom im Jahr 1610. Der Neubau des Petersdoms geht gerade seiner Vollendung entgegen. Der Bauherr, Papst Paul V. ist ein Freund der Künste und ein mächtiger Kirchenfürst. An einem Sommertag hat der Papst sich aber einen ganz anderen Termin vorgenommen – einen Besuch im Heiliggeistspital.

Dieses Spital ist kein Krankenhaus wie jedes andere. Es gibt dort eigene Stationen für Patienten mit unheilbaren und ansteckenden Krankheiten, und vor allem gut ausgebildetes Fachpersonal. Geleitet wird das Hospital von Pater Camillo, der gerade einen Krankenpflegeorden gegründet hat.

Als der Papst das Spital betritt, überrascht er Pater Camillo bei der Arbeit. Ein Begleiter des Papstes faucht ihn an: „Zieht doch wenigstens Euren schmutzigen Kittel aus, wenn Ihr mit dem Heiligen Vater sprecht!“ „Wieso?“, fragt Camillo zurück. „Wenn ich mit Christus selber beschäftigt bin, habe ich keine Zeit, mich für seinen Stellvertreter umzuziehen.“ Ein mutiger Mann, dieser Camillo. Für ihn ist klar: In jedem Kranken und Leidenden trifft er Christus selbst. Das ist der Grundsatz seiner christlich motivierten Pflege.

200 Jahre später wird Florence Nightingale in wohlhabendem Haus in Florenz geboren. Gegen den Willen der Eltern beschließt sie, Krankenschwester zu werden, setzt deutliche Zeichen in der Entwicklung der Krankenpflege. Wie Pater Camillo stellt sie sich in den Dienst der Kranken.

Ihr Geburtstag am 12. Mai wurde 1967 zum Tag der Pflege; ein Tag, all denen „Danke“ zu sagen, die als Pflegerinnen und Pfleger arbeiten. Oft ist die Arbeit schwer und belastend und der Zeitdruck groß. Trotzdem werden Kranken- und Pflegekräfte in der Öffentlichkeit nicht genügend wertgeschätzt. Dabei sind sie unverzichtbar in einer Gesellschaft, in der immer mehr Menschen alt und hilfsbedürftig werden.

Wie menschlich eine Gesellschaft wirklich ist, zeigt sich im Umgang mit ihren Kranken. Und jeder von uns wünscht sich, menschenwürdig betreut zu werden, wenn die eigenen Kräfte erlahmen. Was wäre es dann für ein Glück, Pfleger vom Schlag eines Pater Camillo oder einer Florence Nightingale zu haben.

Pfarrerin Christel Mebert

Bad Kissingen

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