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Die letzten Dinge

Totensonntag

Totensonntag
"Gerhard Schleier, ev. Landjugendpfarrer, Pappenheim"
am
23.11.2017

Ja, so heißt er, dieser Sonntag, bei den Evangelischen zumindest im Volksmund. Offizieller Name: Ewigkeitssonntag.

Ganz am Ende vom November. Kurz vor dem Neubeginn. Dem neuen Kirchenjahr. Dem ersten Advent. Und da beschäftigen sich doch so manche Menschen mit den letzten Dingen. Wenn Sie jetzt meinen, „das ist doch nur was für die Alten“ – weit gefehlt. Sogar im Internet, oft genug eher mit den Jüngeren in Verbindung gebracht, spielen die letzten Dinge eine Rolle.

Schwer beeindruckt hat mich ein Frage“spiel“, auf das ich eher zufällig gestoßen bin: „Was sollte auf deinem Grabstein stehen?“ „Bist Du ein humorvoller Mensch?“ „Kannst Du nicht nur gut austeilen, sondern auch einstecken?“ „Bist du ein strebsamer Mensch?“ „Was ist für dich im Leben besonders wichtig?“ „Welchen Gegenstand würdest du gerne mit ins Jenseits mitnehmen?“ „Denkst Du, Du kämst auch in der Hölle gut zurecht?“ „Wie stehst Du zum Älterwerden?“

Um es vorweg zu nehmen: Bei mir kam als Grabsteinspruch heraus: „Hier liege ich, ich kann nicht anders!“ Da musste ich erst mal schmunzeln. So ein Ergebnis im Jahr 2017, wo Luther allgegenwärtig war. So ein Ergebnis für einen evangelischen Pfarrer.

Ob’s allerdings zu meinem persönlichen Humor passt? Na ja. Was mich viel mehr beschäftigt hat: Welche Verhaltensweisen, welche Eigenschaften beschreiben mich wirklich? Auch über den Tod hinaus … Dass es um meinen Zugang zu Humor geht. Ob ich auch mal etwas einstecken kann. Wie zielgerichtet ich durch dieses Leben gehe.

Was ich aus irdischer Sicht im Jenseits so brauchen könnte – die Vorschläge: Smartphone, Taschenmesser, Bücher, Laptop, gar nichts – die haben mich eher amüsiert, denn wer weiß schon, wie es dort wirklich zugeht.

Irritiert hat mich die Frage, ob ich in der Hölle zurechtkäme. Die Vorstellung der Hölle ist für mich doch erledigt! Mit Jesu Tod und Auferstehung ist diese angstbesetzte Aussicht ja ein für alle Mal positiv beendet. Nach dem Tod gibt’s nur eins: Ich werde aufgefangen und behütet sein in Gottes Hand. Davon bin ich zutiefst überzeugt. Und darin werde ich tatsächlich gerne liegen und gar nicht anders wollen. Vielleicht steht das tatsächlich mal auf meinem Grabstein, wer weiß …

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